das Einblicke-Team entschuldigt sich vielmals dafür, dass die Sommermonate etwas mau waren… und bittet die zahlreichen Leser und Mal-Nachschauer-ob-es-etwas-Neues-bei-Einblicke-gibt, doch auch mal zur Feder zu greifen und EINBLICKE aktiver mitzugestalten.
Jetzt aber erst mal wieder ein Bonbon — ein wunderbares YouTube-Video!
Aber es gibt auch Lichtblicke, und über die möchte ich hier eigentlich berichten: Es gibt ein neues Blog »The Muslim Network for Bahai Rights« (bahairights.org/), das über die Menschenrechtsverletzungen gegen die Bahai in islamischen Ländern berichtet und so für die Bahai und überhaupt für Menschenrechte in der islamischen Welt eintritt. Das Blog ist ein Projekt der schon in anderen Zusammenhängen aufgefallen, in der internationalen Presse hochgelobten Gruppe »Mideast Youth«.
P.S.: Wenn meine Internet-Recherche mich zum richtigen Ergebnis geführt hat, dann ist Mona am 18. Juni 1983 hingerichtet worden. Aber gedenken kann man ja nie zu früh, zu spät oder zu viel!
Alex Bigham, ein englischer Wissenschaftler am Foreign Policy Centre, einem Think Tank unter der Schirmherrschaft des britischen Premierministers Tony Blair, hat in seiner Kolumne der Online-Ausgabe der englischen Zeitung »The Guardian« die Bahai als Vorbild für den Umgang von Religionen mit Menschenrechten bezeichnet. (Danke für den Hinweis, Marco!)
Er schreibt: »[...] Das Beispiel des Bahaitums ist ein Weg, die Auffassung zu widerlegen, dass die allgemeinen Menschenrechte in einem fundamentalen Widerspruch zum Glauben an ein höchstes Wesen stehen. Die Bahai haben aktiv die Werkzeuge der Vereinten Nationen genutzt, um ihre Mitgläubigen vor Verfolgungen wegen ihres Glaubens zu schützen. Aber sie haben nicht nur von der Maschinerie der Menschenrechte profitiert, sie treten für die Menschenrechte als religiöses Prinzip ein. [...]«
In der F.A.Z. vom heutigen Tage findet sich ein interessanter Artikel von Wolfgang Günter Lerch zu den aus dem Schiitentum hervorgegangenen Konfessionen und Religionen — sehr interessant (S. 12, das ist die Rückseite des Mantelteil-Buches)! Am Ende finden auch der Bab und Bahaullah Erwähnung. F.A.Z.-Abonnenten können den Beitrag hier direkt abrufen; der Text findet sich aber auch im Folgenden.
Heute gibt es Neuigkeiten aus dem Bundestag, der unter anderem auch die Probleme der Bahá’í in aller Welt — übrigens auch in Deutschland — aufgreift. Im Folgenden ein Bericht zu einer Plenardebatte:
Am 24. Mai gab es eine Plenardebatte im Deutschen Bundestag zur weltweiten Religionsfreiheit. Der Plenardebatte lagen der Antrag der Koalitionsfraktionen zur „Solidarität mit verfolgten Christen und anderen verfolgten religiösen Minderheiten“ (Drucksache 16/3608) sowie zwei Anträge der Oppositionsfraktionen zugrunde. Wie dem Protokoll entnommen werden kann, werden in der Debatte von verschiedenen Rednern alle gegenwärtigen Probleme der Bahá’í in Iran, Ägypten sowie in Hamburg angesprochen. Auch die Lage der Bahá’í in Turkmenistan wird erwähnt.
Die erschreckenden Nachrichten aus dem Iran reißen nicht ab: jetzt wendet sich der blinde Fanatismus der iranischen Regierung gegen die Schwächsten der Gesellschaft: die Kinder. Allein im letzten Monat wurden über 150 Vorfälle von Schikane, Verunglimpfungen, Demütigungen und Misshandlungen durch Lehrer und Schulbeamte gegen Schüler aller Altersgruppen bekannt. Im schlimmsten Fall wurde ein Kind mit verbundenen Augen geschlagen. Grund: ihre Zugehörigkeit zur Bahai-Gemeinde.
Die Nachricht über diese ungeheuerlichen Vorfälle verbreitet sich nur recht zögerlich. Neben den üblichen Quellen der Bahai (offizielle deutsche Website | englischsprachiger »Bahai World News Service) widmet der Wiener Standard in seiner heutigen Ausgabe dem Thema seine Aufmerksamkeit. Wie immer kann der Text auch gleich hier bei uns gelesen werden:
Angehörige der Bahai-Religion systematischer Verfolgung ausgesetzt
Auch Schulkinder im Visier — Bahai gelten als ungeschützte Ungläubige
Die Fraktion der Grünen im Deutschen Bundestag hat nach einer heute veröffentlichten Mitteilung des Aktualitätendienstes »heute im Bundestag« (hib) am 22.3.2007 eine kleine Anfrage in den Deutschen Bundestag eingebracht, mit der sie Informationen über die Lage der Bahai in Ägypten und die Haltung der Bundesregierung zu dieser Frage erbittet (BT-Drucksache 16/4815 | englische Übersetzung hier). Wir sind bemüht, hier auch die Antwort der Bundesregierung zu veröffentlichen, sobald sie verfügbar ist.
Der Einfachheit halber kann der volle Text der kleinen Anfrage natürlich auch hier gelesen werden:
Deutscher Bundestag Drucksache 16/4815
16. Wahlperiode 22. 03. 2007
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Marieluise Beck (Bremen), Alexander Bonde, Dr. Uschi Eid, Thilo Hoppe, Ute Koczy, Kerstin Müller (Köln), Winfried Nachtwei, Omid Nouripour, Claudia Roth (Augsburg), Rainder Steenblock, Jürgen Trittin und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vor einigen Tagen bin ich auf diesen (englischen) Filmbeitrag bei Google Video aufmerksam geworden, der 27 Jahre alt ist. Er dokumentiert die Verfolgung der Bahai im Iran. Der erschütternde Bericht erzählt von Hinrichtungen ebenso wie vom Ausschluss der Bahai von Schulen, Universitäten, dem öffentlichen Dienst und vielem mehr. Er enthält die lächerlichen, ja geradezu höhnischen Begründungen des damaligen iranischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, die für die blutigen Progrome an den Bahai im Iran — bis heute — herhalten müssen. Seit 27 Jahren hat sich an all dem nichts geändert. Das treibt mir wirklich die Wut in den Bauch.
Wenn ich dieser Tage darum werbe, dass man — Politiker, Professoren, Medien — sich für die Bahai im Iran einsetzen möge, dann bekomme ich gleichsam zwischen den Zeilen immer wieder zu hören, dass sich die Situation doch gebessert habe — hingerichtet werde ja niemand mehr. Und dass die jungen Bahai von Schule und Universitäten ausgeschlossen werden, sei ohne Zweifel bedauerlich, aber… jedenfalls habe man derzeit andere Prioritäten.
Die Vertretung der Studierenden der Leipziger Universität hat in einem Offenen Brief gegen die Diskriminierung der Bahá’í beim Hochschulzugang im Iran protestiert. In dem Brief, der an den Obersten Rechtsgelehrten der Islamischen Republik und an den Minister für Wissenschaft gerichtet ist, beklagen die Studenten die Verweigerung des Rechts auf Bildung für angehörige des Bahai-Glaubens im Iran.
»Im Rahmen seiner Aufgabe zur Pflege der internationalen Beziehungen zwischen StudentInnen verurteilt der StudentInnenRat der Universität Leipzig hiermit die Verweigerung des Rechts auf höhere Bildung auf Grund von Religionszugehörigkeit durch die iranische Regierung«, schreiben die Leipziger in dem Offenen Brief und verweisen auch darauf, dass der Iran die Internationale Erklärung der Menschenrechte mit unterzeichnet hat.
Der Leipziger StudentInnenrat fordert das gleiche Recht auf höhere Bildung für alle Menschen im Iran und appelliert mit dem Brief an die Regierung der Islamischen Republik Iran, die Diskriminierung der Bahá’i bei der Aufnahme eines Studiums zu beenden und den Hochschulzugang unabhängig von der Religionszugehörigkeit zu gewährleisten.
Hier nur ein kurzer Hinweis auf den zweiten der beiden heutigen Leitartikel der F.A.Z. (von Wolfgang Günter Lerch), der unter anderem auf Schwierigkeiten hinweist, die der Islam mit den Bahai hat, und diese einleuchtend begründet. Überhaupt ein sehr interessanter Beitrag, der jedem zur Lektüre empfohlen sei!
Eben entdeckt: eine Presseerklärung der Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Erika Steinbach MdB zur Verfolgung der Bahai im Iran:
Traurige Nachrichten diesmal aus Ägypten: nachdem zwischenzeitlich aufgrund eines Urteils eines Verwaltungsgerichts Hoffnung bestand, dass die Bahai ihre Religionszugehörigkeit in Ausweisdokumenten würden eintragen können, hat heute (16.12.) das oberste Verwaltungsgericht des Landes abschließend gegen ein klagendes Bahai-Ehepaar geurteilt. Das erste Urteil des (unteren) Verwaltungsgerichts hatte eine breite politische und gesellschaftliche Debatte ausgelöst, die in Parlament und Medien insbesondere von fanatischen Muslimen leidenschaftlich geführt wurde. Die Entscheidung bedeutet, dass die Bahai entweder bezüglich ihrer Glaubenszugehörigkeit lügen — eintragungsfähig sind allein drei Religionszugehörigkeiten: jüdisch, christlich, islamisch — oder auf Ausweispapiere verzichten müssen. Der Verzicht auf Ausweispapiere bedeutet wiederum fast völlige Entrechtung: kein Zugang zu Schulen für Bahai-Kinder, keine medizinische Versorgung, kein Eigentumsrecht, kein Bankkonto — oder kurz: keine Bürgerrechte.
Marco, der Betreiber des portugiesischen Bahai-Blogs »Povo de Bahá« hat uns darauf hingewiesen, dass eine Reihe von Europaparlamentariern am 15. November einen gemeinsamen Entschließungsantrag zur Menschenrechtssituation im Iran ins europäische Parlament eingebracht haben, in dem unter anderem auch die furchtbare Situation der Bahai dort verurteilt wird. Die Resolution wurde am 16. November ohne Gegenstimme angenommen. Wörtlich heißt es in der Resolution:
»Das Europäische Parlament, [...] in der Erwägung, dass außer dem Islam nur die Lehre des Zarathustra, das Christentum und der Judaismus vom Gesetz als Religionen anerkannt werden, diejenigen jedoch, die nicht anerkannte Religionen praktizieren wie Bahai und Sufis, diskriminiert und gewaltsam unterdrückt werden; in der Erwägung, dass insbesondere die Bahai ihre Religion nicht ausüben können und ihnen darüber hinaus auch alle Bürgerrechte (z. B. auf Eigentum und weiterführende Ausbildung) verweigert werden, [...] fordert die Beendigung jeglicher Form der Diskriminierung aus religiösen Gründen und insbesondere die Aufhebung des de facto bestehenden Verbots, den Baha’i-Glauben zu praktizieren [...].«