Print This Post  Ein offener Brief an den iranischen Generalstaatsanwalt Qorban-Ali Dorri-Najafabadi

10. März 2009 | Beitrag eingestellt von Nadi | Bisher 1,754 Aufrufe

YaranJedem aufmerksamen Leser unseres Forum müßte inzwischen bekannt sein, dass die Bahai im Iran massiv verfolgt werden. In den letzten Wochen bangen wir um die sieben “Yaran”, die Koordinierungsgruppe der rund 300.000 Bahai im Iran, welche vor genau 300 Tagen inhaftiert wurden und nun täglich auf ihr Gerichtsurteil warten. Weder Öffentlichkeit noch ein Anwalt sind bei dieser bevorstehenden Verhandlung zugelassen. Wir sind zutiefst empört und beten, bangen und hoffen, dass sich die Umstände für diese unschuldigen Seelen endlich erleichtern mögen!

Nun hat sich kürzlich die Internationale Bahai-Gemeinde (BIC) mit einem offenen Brief an den iranischen Generalstaatsanwalt Qorban-Ali Dorri-Najafabadi gewandt. In dem Brief beschreibt die BIC, die weltweit mehr als fünf Millionen Bahai vertritt, die tragische Geschichte der Verfolgung der Bahai im Iran, ihre Unschuld in Bezug auf die gegen die iranischen Bahai vorgebrachten Anklagepunkte und fordert Fairness bei der bevorstehenden Gerichtsverhandlung.

Den vollen Wortlaut des Briefes kann man unter folgender link auf Englisch vorfinden:

bic.org/areas-of-work/persecution/prosecutor-general-iran-en.pdf

Im Original auf Persisch unter:

bic.org/areas-of-work/persecution/prosecutor-general-iran-fa.pdf

Für diejenigen, die weder Englisch noch Persisch können, habe ich eine deutsche Zusammenfassung einschließlich einiger Erläuterungen gefunden, die ich im folgenden hier einfügen werde:

Das Schreiben, das am 4. März per E-Mail an Ayatollah Qorban-Ali Dorri-Najafabadi geschickt wurde, weist auch darauf hin, dass die andauernde Unterdrückung der Bahá’í im Iran letztendlich Auswirkungen auf die iranische Gesellschaft als Ganzes haben wird.

“Ihre Exzellenz, die Entscheidungen, die die iranische Justiz in den nächsten Tagen zu fällen hat, wird Auswirkungen haben, die sich weit über die Bahá’í-Gemeinde Ihres Landes erstrecken – was jetzt auf dem Spiel steht ist wahrhaft eine Angelegenheit der Gewissensfreiheit für alle Bürger Ihres Landes,” heißt es in dem sechsseitigen Brief. “Wir hoffen bei der Heiligkeit des Islam und der Ehre des Iran, dass die Justiz in ihrem Urteil fair sein wird.”

Der Brief folgte auf eine Reihe von Stellungnahmen des Ayatollah, die in den iranischen Nachrichten zitiert wurden. Darin erhob er Anklage gegen die Bahá’í im Allgemeinen und insbesondere gegen die informellen ad-hoc-Gruppen, die die geistigen und sozialen Angelegenheiten der iranischen Bahá’í verwalten. Auch diese bezeichnete er als illegal, nachdem bereits Anfang der 80er Jahre die Wahl von Geistigen Räten unterbunden worden war.

“Die Islamische Republik Iran wird keine Bewegung zulassen, die die nationale Sicherheit durch illegale und nicht genehmigte organisatorische Aktivitäten gefährdet”, sagte er, wobei er sich speziell auf die Bahá’í bezog, wie es in einem von der Islamic Republic News Agency veröffentlichten Bericht hieß.

Die sieben Mitglieder der informellen Gruppe, die die Angelegenheiten der Bahá’í auf nationaler Ebene koordinierten und die seit etwa zehn Monaten in Haft sind, antworteten aus ihren Gefängniszellen auf die Erklärung. Sollte die Regierung die derzeitigen Absprachen nicht mehr akzeptieren, die Belange der Bahá’í auf dem Wege dieser informellen Gremien auf nationaler und lokaler Ebene zu verwalten, so wäre ein Ende ihrer Tätigkeiten kein großes Problem für die iranischen Bahá’í, hieß es. Mit dem Ende ihrer Tätigkeiten wollen sie ihren guten Willen gegenüber der Regierung zeigen, wie sie es schon in den letzten 30 Jahren getan haben.

Der Brief, der ebenfalls an die Ständige Vertretung der Islamischen Republik Iran bei den Vereinten Nationen geschickt und seit dem 5. März auf der Webseite des Büros der Internationalen Bahá’í-Gemeinde bei den Vereinten Nationen veröffentlicht wurde, legt des Weiteren die Unterdrückung der iranischen Bahá’í-Gemeinde seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahre 1979 offen.

“Obgleich die Schikanierungen und Misshandlung der Bahá’í über diesen ganzen Zeitraum andauerten, hat die Intensität in den letzten Jahren zugenommen, seit bestimmte Elemente, die schon von alters her die Zerstörung der Bahá’í-Gemeinde im Sinn haben, stärkeren Einfluss auf die Angelegenheiten des Landes bekommen haben”, heißt es in dem Schreiben.

Es wird darauf hingewiesen, dass die kleinen ad-hoc-Gruppen erst als Reaktion auf die Verfolgung gebildet wurden, die sich um die “geistigen und sozialen Belange der 300.000 iranischen Bahá’í kümmerten. Seit über 20 Jahren arbeitete die iranische Regierung mit diesen Strukturen zusammen.

Auf nationaler Ebene war die Gruppe als “Yaran” bekannt, was auf persisch “Freunde” bedeutet. Die “Khademin” oder “diejenigen, die dienen” nahmen auf örtlicher Ebene eine ähnliche Funktion wahr.

“Dann wurden im letzten Jahr die sieben Mitglieder der Yaran verhaftet, eines davon im März und die sieben anderen im Mai. Ihre Haftbedingungen waren im Verlauf der letzten Monate von unterschiedlicher Schwere – die fünf männlichen Mitglieder waren zeitweise in einer zehn Quadratmeter großen Zelle ohne Bett untergebracht”, hebt die Internationale Bahá’í-Gemeinde in ihrem Schreiben hervor.

Bei den sieben handelt es sich um Frau Fariba Kamalabadi, Herrn Jamaloddin Khanjani, Herrn Afif Naeimi, Herrn Saeid Rezaie, Frau Mahvash Sabet, Herrn Behrouz Tavakkoli und Herrn Vahid Tizfahm. Alle bis auf eine wurden am 14. Mai in ihren Häusern in Teheran verhaftet. Frau Sabet wurde bereits am 5. März verhaftet als sie nach Mashhad reiste.

“Schließlich”, so heißt es in dem Brief weiter, “wurden sie nach neun Monaten Haft, während derer kein noch so kleiner Beweis dafür vorgebracht wurde, dass die Yaran irgendwelcher Vergehen schuldig sind, der ‘Spionage für Israel, Beleidigung religiöser Gefühle und Propaganda gegen die Islamische Republik’ angeklagt. Es wurde angekündigt, dass ihr Fall bald dem Gericht überstellt würde.

“Fast direkt nach dieser Ankündigung folgten Nachrichtenberichte, nach denen Sie dem Geheimdienstminister geschrieben haben, dass die Yaran und die Khademin im Iran illegal seien, während Sie gleichzeitig die Frage der in der Verfassung verbrieften Religions- und Glaubensfreiheit der iranischen Bürger aufwarfen.”

“Ihre Exzellenz, die Vorfälle der letzten Jahre und die Beschaffenheit der Anklagen hat jedem unvoreingenommenen Betrachter die Frage aufgedrängt, welches Ziel die systematische Anwendung von Unrecht gegen die Bahá’í im Iran verfolgt.”

“Selbst wenn es in Bezug auf die Motive der Bahá’í-Gemeinde während der ersten turbulenten Jahre nach der Revolution Missverständnisse gab, wie kann solches Misstrauen noch heute bestehen? Kann es sein, dass ein Mitglied der hoch geschätzten iranischen Regierung wirklich an die falschen Anklagen glaubt, die über die Bahá’í in diesem Land verbreitet wurden?”

Der Brief weist auch darauf hin, dass viele prominente Iraner sich in jüngster Zeit öffentlich geäußert haben, um die Bahá’í zu verteidigen, in dem sie den allgemeinen Kampf für die Menschenrechte im Iran mit der Situation der Bahá’í in Verbindung brachten.

“Und wir hören in den Stimmen so vieler Iraner, die ihre Bahá’í-Landsleute verteidigen, das Echo der glorreichen Vergangenheit des Landes. Wir müssen an dieser Stelle mit Dankbarkeit im Herzen anmerken, dass die Mehrheit derer, die der unterdrückten Bahá’í-Gemeinde zu Hilfe eilt, selbst ähnlicher Unterdrückung ausgesetzt sind, wie Studenten und Akademiker, Journalisten und Aktivisten, Künstler und Dichter, fortschrittliche Denker und die Förderer von Frauenrechten, wie auch gewöhnliche Bürger.”

(siehe auch www.bahai.de)

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