Print This Post  Im Mittelpunkt des göttlichen Gnadenstroms – im Heiligen Land

22. Oktober 2008 | Beitrag eingestellt von Christin | Bisher 3,049 Aufrufe

Gruppe In den späten Abendstunden des 2. Oktobers machten sich fünf Freunde aus Potsdam für vier Tage auf die Reise zu dem für die Bahá’í Heiligsten Ort auf Erden: Bahji und Haifa in Israel.

“Heilige Stätten sind sicherlich Mittelpunkte des göttlichen Gnadenstroms, denn wenn man die erleuchteten Orte betritt, die den Märtyrern und heiligen Seelen verbunden sind, und ihnen körperlich wie geistig Verehrung erweist, wird des Menschen Herz von tiefer Empfindsamkeit bewegt.” Bahaullah, Kitáb-i-Aqdas

Bei einem Vorbereitungsseminar gemeinsam mit anderen Freunden aus unserer Gemeinde haben wir schon etwas von der Bedeutung und bezaubernden Schönheit dieser heiligen Orte hören dürfen, jedoch die wirkliche Pracht und Herrlichkeit dieser Orte kann man mit Worten kaum beschreiben.
Nach einer angenehmen Reise kamen wir ca um 4 Uhr nachts in Haifa an und konnten es kaum fassen endlich am Ziel zu sein.
Eben waren wir noch im Alltag und jetzt im Heiligen Land. Im nächtlichen Haifa standen wir nun am Fuße das Bergs Carmel und blickten auf den Schrein des Bab, erhaben und zart beleuchtet. Wir erinnerten uns der Berichte von frühen Gläubigen, die monatelang durch Wüste und Gebirge gelaufen sind, um zu diesem Orte zu gelangen und wir haben das Privileg innerhalb weniger Stunden am Ziel zu sein.

Nach ein paar erfrischenden Stunden Schlaf und einem stärkenden Frühstück, machten wir uns nach Bahji auf. Für 3 von uns war es die erste Reise zu den Heiligen Stätten. Nach einer kleinen Stärkung im Pilgerhaus, in dem man liebevoll willkommen geheißen wird und sich wie zu Hause fühlen darf, machten wir uns mit unseren Gebetsbüchern auf den Weg zum Schrein Bahá’u’lláhs. Voller Erwartung und voller freudiger und erhebender Gefühle schritten wir auf den Schrein zu. Was für ein Vorrecht und Glück ist es, an diesem wunderschönen Ort seine Gebete zu sagen und der Gesegneten Schönheit so nahe zu sein. Ein Traum ging in Erfüllung.

Bahji

Ganz erfüllt von Freude besuchten wir natürlich auch den Schrein des Bab und ‘Abdu’l-Bahás in Haifa, um dort zu beten und nachzudenken. Der Schrein ist umgeben von wunderschönen Terrassen und Gärten mit wunderschönen verschiedenen Blumen und Pflanzen, die so liebevoll angelegt sind und die Heiligkeit dieser Orte symbolisieren. Schrein des Bab Auch spiegelt sich in der Vielfalt der Pflanzen die Vielfalt der Menschheit, wie sie ‘Abdu’l-Bahá beschreibt:

„Betrachtet die Welt der erschaffenen Wesen, wie diese verschiedenartig und mannigfach in der Art und doch eines einzigen Ursprungs sind. Alle in die Erscheinung tretenden Unterschiede sind solche der äußeren Form und Farbe. Diese Mannigfaltigkeit der Typen ist in der gesamten Natur erkennbar.

Seht einen schönen Garten voll Blumen, Büschen und Bäumen an. Jegliche Blume hat einen anderen Reiz, eine besondere Schönheit, ihren eigenen köstlichen Duft und ihre eigene schöne Farbe. Und auch die Bäume: wie abwechslungsreich sind sie in der Größe, im Wachstum und im Laubwerk, und welche Verschiedenheit an Früchten bringen sie hervor! Trotzdem entspringen alle diese Blumen, Büsche und Bäume dem gleichen Boden, die gleiche Sonne scheint über sie, und die gleichen Wolken geben ihnen Regen.

So ist es auch mit der Menschheit. Sie wird aus vielen Rassen gebildet, und ihre Völker sind verschiedener Farbe, weiß, schwarz, gelb, braun oder rot, doch alle kommen sie vom gleichen Gott, und alle sind sie Seine Diener.“

„Vor Gott gibt es keine Weißen und Schwarzen. Es gibt nur eine Farbe, die Farbe der Dienstbarkeit vor Gott. Geruch und Farbe sind nicht wichtig, wichtig ist das Herz. Ist das Herz rein, so ist die Hautfarbe, weiß oder schwarz, ohne Bedeutung. Gott sieht nicht auf die Hautfarbe. Er schaut in die Herzen. Der bessere ist der, dessen Herz rein ist. Wohlgefälliger ist, wer den besseren Charakter hat. Ranghöher ist, wer inniger dem Königreich Abhá zugewandt.“

 

Dieser Geist der Einheit in der Vielfalt ist auch unter den rund 600 Mitarbeitern aus über 70 verschiedene Ländern am Bahá’í-Weltzentrum zu spüren.

Neben dem geistlichen Zentrum befindet sich in Haifa auch das administrative Zentrum der weltweiten Bahá’í-Gemeinde. Die höchste Körperschaft, der sich die Bahá’í aus der ganzen Welt zuwenden ist das Universale Haus der Gerechtigkeit.
Wir begaben uns auch auf historische Spurensuche und besuchten die Hafenstadt Akka, die von Bahá’u'lláh als Größstes Gefängnis bezeichnet wird. AkkaBahá’u'lláh wurde 1817 in Persien geboren. Als er 35 Jahre alt war offenbarte ihm Gott, dass er der Überbringer einer neuen göttliche Botschaft für die Menschheit sei. Er begann den Menschen das Wort Gottes zu bringen, auch wenn das zu einer 40-jährigen Verbannung führte. Akka war die letzte Station seiner Verbannung. Wir begaben uns an den Ort, an dem Bahá’u'lláh mit dem Schiff als Gefangener Akka erreichte. Wir durften das Gefängnis besichtigen, in dem Bahá’u'lláh unter den widrigsten Bedingungen gefangen gehalten wurde und doch trotz der großen Leiden, die er ertragen hat, die Botschaft der Einheit der Menschheit unaufhörlich in seinen  Schriften verkündigt und die Herzen und Gedanken der Menschen berührte und mit Liebe erfüllt. Bahá’u'lláh schreibt in der Tafel an Ahmad:

„Vergiß Meine Gnadengaben nicht, während ich ferne bin. Gedenke Meiner Tage in deinen Tagen und Meiner Not und Verbannung in diesem entlegenen Kerker. Und sei so standhaft in Meiner Liebe,  dein Herz nimmer wanke, selbst wenn der Schwerterregen der Feinde auf dich prasselt und die Himmel alle und die Erde wider dich aufstehen. Sei wie eine Feuerflamme für Meine Feinde und ein Strom ewigen Lebens für Meine Geliebten, und zähle nicht zu den Zweiflern. Und wenn Kummer dich befällt auf Meinem Pfade oder Erniedrigung um Meinetwillen, so sorge dich nicht. Vertraue auf Gott, deinen Herrn und den Herrn deiner Väter“

Wie schön ist es, dass ich diese Reise, diese Gefühle und Erlebnisse mit so lieben Menschen teilen durfte und spüren konnte, wie stark unsere Herzen durch Bahá’u'lláhs kraftvolles Band der Liebe und des Dienstes und durch die Vision der Einheit der Menschheit mit so vielen Bahá’í auf der ganzen Welt verbunden sind.

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