Print This Post  Iran: Medienhetze und Zerstörung von Privatbesitz der Bahai

4. August 2008 | Beitrag eingestellt von Sabrina | Bisher 2,357 Aufrufe

Iranische FlaggeAm 01. August veröffentlichte der Kolumnist “WELT — Debatte” Wahied Wahdat-Hagh unter dem Titel “Medienhetze gegen Angehörige der Bahai – Religion“  folgenden lesenswerten Artikel zur derzeitigen Situation der Bahai im Iran:

Medienhetze gegen Angehörige der Bahai Religion
Wahied Wahdat-Hagh, Kolumnist für WELT DEBATTE 01.08.2008 – 13.15 Uhr
Mit skrupellosen propagandistischen Lügen und Verschwörungstheorien hetzen die iranischen Medien gegen die Bahai. Religiöse Fanatiker fühlen sich davon angesprochen und stecken Wohnhäuser einfacher Baha´i-Familien in Brand. Der Anti-Bahaismus ist ein Bestandteil der staatlichen Doktrin der totalitären Diktatur.

Während die UNESCO im Juli 2008 die Bahai-Heiligtümer in Israel als Weltkulturerbe anerkannt hat, verschlimmert sich die Lage der Angehörigen der Bahai-Religion im Iran. Dort werden nicht nur die heiligen Stätte der Bahai zerstört, inzwischen wird sogar der Privatbesitz von Baha´i angezündet.

Bahai World News Service meldete am 28. Juni, dass in verschiedenen iranischen Städten Häuser von unschuldigen iranischen Bahai von Unbekannten in Brand gesteckt wurden. In Rafsanjan, Fars, Babolsar und in Karaj, wurden Wohnhäuser regelrecht angezündet und teilweise mit Molotowcoctails beworfen. Die Bewohner konnten knapp dem Tod entkommen.

Hetzkampagnen von Zeitungen wie Kayhan, Sprachrohr des muslimischen Führers des Iran, schüren regelrecht den Hass der religiösen Fanatiker gegen Bahai.

Said Sajadi, dessen Hetzen gegen die Bahai in den letzten Jahren immer wieder in dem iranischen Führerblatt Kayhan veröffentlicht wurden, hat seit 20. Juli 2008 eine neue Hass-Serie in dieser Propagandazeitung begonnen.

Behzad Jahangiri wurde Anhänger des Ayatollah Khomeini

Es ist die Geschichte eines jungen Menschen, namens Behzad Jahangiri, der sich gegen seinen Vater, der Bahai war, im Zuge der Islamischen Revolution von 1979 auflehnt und später Muslim wird.
In Hamedan, wo auch viele Juden wohnen, wie in Kayhan betont wird, sei Jahangiri in einer Bahai-Familie geboren worden. Behzad Jahangiri habe aber infolge der islamischen Revolution von 1979 Abstand von den Bahai genommen. Die Gründe klingen einfach: Sein Vater habe gesoffen. Als kleiner Junge sei er von seinem Vater sogar gezwungen worden auf Festen Alkohol zu trinken.

Diese Geschichte klingt nicht überzeugend: Denn in der Bahai-Religion sind berauschende Mittel verboten, weil diese das seelische Leben zerstören. Anders als unter dem im Iran praktizierten Islam peitschen die Bahai aber niemanden wegen Alkoholkonsums aus. Wenn ein Bahai trinken sollte, wird ihm empfohlen weniger zu trinken und langfristig mit dem Trinken aufzuhören.

Heiligtümer

Welche Heiligtümer hat aber Behzad Jahangiri? Die “heiligste Zeit” seines Lebens sei die Militärzeit, wohlgemerkt unter der Schreckensherrschaft des Ayatollah Khomeini. Kayhan zitiert Jahangiri wie folgt:
“In dieser Zeit wurde ich nicht ständig kontrolliert und nahm nicht an Veranstaltungen teil und lebte neben freien und sich aufopfernden Muslimen.” Ausgerechnet in der Armee des Ayatollah Khomeini habe er dank der Hilfe von einem “Haj Aqa Scheybani” begonnen nach der “Wahrheit zu suchen.” Schon 1979 habe er sich dann öffentlich von der “politischen Sekte der Bahai” distanziert und sei zum Islam übergetreten. In der Tat werden im gegenwärtigen Iran diejenigen, die zum Islam übertreten, ihre Anzahl mag sehr wenig sein, als Helden gefeiert. Für diejenigen aber, die keine Muslime mehr sein wollen, ist die Todesstrafe vorgesehen.

Für Jahangiri ist dennoch nicht nur die Armee seit der Revolution, sondern auch das “System der Islamischen Republik Iran” eine “heilige” Angelegenheit.

Bahai kennen keine Zwangsheirat

Es ist wahr, dass Baha´i-Frauen keinen Schleier tragen, deswegen werden sie von Jahangiri verurteilt. Dennoch kennen die Lügengeschichten des Herrn Jahangiri keine Grenzen: Beispielsweise wird behauptet, dass Bahai-Räte bestimmen würden, welche Frau welchen Mann in der Gemeinde heiraten soll. Ein kleiner Einblick in die Bahai-Literatur oder in eine Bahai-Website oder in eine Bahai-Gemeinde irgendwo in der Welt würde jedoch klären, dass im Gegenteil die Bahai-Frauen von Kindesbeinen an zu Selbständigkeit und Unabhängigkeit erzogen werden. Es gibt unter Bahai keine vermittelten oder gar Zwangsehen. Dies ist den religiösen Fanatikern im Iran, die islamische Zeitehe und Polygamie befürworten, ein Greuel.

Umso absurder ist der Vergleich der Bahai mit den Nazis. Die Nazis hätten am Ende des Krieges nur innergermanisch geheiratet, das würden die Bahai auch tun. Wahr ist aber, dass die Bahai interkonfessionell heiraten dürfen, es gibt oft emanzipierte Mischehen.

Bahai streben eine Angleichung der sozialen Klassen an

Die Bahai seien sehr reich und materialistisch, lautet das Vorurteil. Laut Kayhan stamme Jahangiri aus einer armen Familie, die in der Bahai-Gemeinde deswegen nicht sehr beliebt gewesen sei. Daher wollte er schon als Kind lieber mit muslimischen Kindern spielen, als mit Kindern der Bahai-Gemeinde, so die Darstellung in Kayhan. Dabei sind es nicht die Bahai-Kinder, die andere Kinder diskriminieren, sondern umgekehrt werden die Bahai-Kinder sogar in iranischen Schulen diskriminiert und verfolgt. Zudem lernen Bahai-Kinder, dass in einer idealen Gesellschaft die Kluft zwischen Arm und Reich aufgehoben werden solle und keine großen Klassenunterschiede existieren sollen.

Kayhan berichtet, dass Behzad Jahangiri während der Islamischen Revolution mit den Demonstranten, die gegen den Schah protestierten, sympathisierte, dabei seien die Bahai jedoch generell Anhänger des Schah und dessen Frau Farah Pahlavi gewesen.
Leider berichtet Kayhan nicht darüber, dass das Bahai-Zentrum in Teheran schon 1955 zerstört worden ist.

Blinder Gehorsam?

Jahangiri wirft den Bahai vor, blinden Gehorsam gegenüber den Oberen der Gemeinde zu führen. Tatsache ist, dass es zum ABC der Bahai-Lehre gehört, dass blinder Gehorsam verboten und die selbständige Suche nach Wahrheit ein Gebot der Stunde ist.

Die staatliche Propaganda des Iran ist in der Tat mehr als absurd. In einem weiteren Teil der Serie sollen die Bahai während des achtjährigen Iran-Irak-Krieges Gott angebetet haben, Saddam Hussein zu helfen den Iran zu besiegen.
Die Bahai beten zwar für den Frieden in der Welt, aber die geringste Kenntnis über die Bahai-Religion würde klären, dass sie nicht für Diktatoren beten und erst recht nicht für Saddam Hussein. Aber zur staatlichen Propaganda gehört, dass alle Andersdenkenden entweder Zionisten, Imperialisten oder Anhänger Saddam Husseins waren oder sind.

Die Bahai wurden von den Nazis verfolgt

Weltbekannt ist, dass das Eigentum der Bahai im Iran meist konfisziert worden ist. Nun behauptet Kayhan aber, dass während des achtjährigen Krieges gegen den Irak die Bahai Häuser und Appartements gekauft haben und dadurch reich geworden seien. Natürlich sollen die Befehle für den Kauf von Häusern aus Israel gekommen sein. So sollen Bahai Hunderte von Apartments gekauft haben, die als Verstecke dienen sollten. Oder die Bahai sollen getrauert haben als ein Attentat gegen Ayatollah Khamenei in den 80er Jahren gescheitert ist. In einem Zug werden die Bahai und die Führer der Volksmujahedin, die einen bewaffneten Kampf gegen den Iran führen, erwähnt, ohne erkennen zu wollen, dass Bahai einen bewaffneten Kampf gegen eine Regierung prinzipiell ablehnen.

Die Ruchlosigkeit des Autors kennt keine Grenzen, denn obwohl deutsche Bahai in den 30er Jahren in Deutschland stark verfolgt wurden, werden sie hier mit den Nazis gleichgestellt.

Die Bahai gelten als “Najis”
Die Menschenrechtlerin, Monireh Baradaran, die selbst in den 80er Jahren in einem iranischen Gefängnis war, schrieb kürzlich in einem Artikel, dass die Bahai in den Gefängnissen als „Najis“, als „unrein“ galten.

Hunde gelten als „Najis“. Diese Haltung herrschte nicht nur in den Gefängnissen vor. Bis heute werden die Bahai verfolgt, weil sie Bahai sind. Ihre öffentliche Identität ist verboten.

In der Tat ist der Anti-Bahaismus ein Bestandteil der staatlichen Doktrin der totalitären Diktatur. Wenn Häuser iranischer Bahai-Familien in Brand gesteckt werden, müssen die gegenwärtigen iranischen Machthaber als die wahren Brandstifter zur Rechenschaft gezogen werden.

Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.


Beiträge zu ähnlichen Themen (meint jedenfalls der Computer)