Gesamte Führungsriege der Bahá’í im Iran verhaftet
26. Mai 2008 | Beitrag eingestellt von Sabrina | Bisher 2,094 Aufrufe
Die Situation im Iran wird von Tag zu Tag schlechter. Sechs führende Bahá’í wurden am 14. Mai 2008 verhaftet und in das berüchtigte Evins-Gefängnis gebracht. Dadurch verliert die iranische Bahá’í-Gemeinde ihre nationale Koordinierungsgruppe. Die Aktion erinnert an die Verschleppung und Hinrichtung der Bahá’í-Führungsebene in den Jahren 1980/81. Damals wurden alle neun Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates für immer spurlos verschleppt. Acht Mitglieder des Nachfolgegremiums wurden Ende 1981 hingerichtet. Seit 1988 ruhten die Hinrichtungen von Angehörigen der Bahá’í-Gemeinde im Iran.
Die iranische Regierung hat die Verhaftung wegen „anti-iranischer“ Aktivitäten bestätigt. Ein Regierungssprecher, Gholam Hossein Elham, sagte, dass diese Gruppe „gegen die Interessen des Staates gearbeitet und Verbindungen mit Ausländern, insbesondere Zionisten“ unterhalten hätte. Weiterhin wird von „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ gesprochen, dabei sind die Bahá’í absolut unpolitisch. Sie bilden mit 300 000 Mitglieder im Iran die größte religiöse Minderheit. Extrem besorgniserregend ist die Meldung über einen neuen Gesetzesentwurf, der sogar die Todesstrafe für „vom Islam Abgefallene“ vorsieht.
Die Nachricht hat zum Glück auch hohe Wellen in der Welt geschlagen. Hier ein Auszug der europäischen Solidarität:
Die Parteivorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Claudia Roth, rief dazu auf, sich im Rahmen der EU für die sofortige Freilassung der Inhaftierten einzusetzen.
Die Europäische Union hat am 21. Mai 2008 ihre tiefe Besorgnis über die Inhaftierung durch den iranischen Geheimdienst zum Ausdruck gebracht. In einer Erklärung wiederholte sie die ernsthafte Sorge über die andauernde systematische Diskriminierung und Einschüchterung der iranischen Bahá’í aus religiösen Gründen. Außerdem forderte sie den Iran dazu auf, jedem das Recht auf Annahme und Ausübung seiner Religion uneingeschränkt zu gewähren.
Die Nationalversammlung der Bahá’í in Deutschland hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert darum gebeten bei der iranischen Regierung „schärfsten Protest gegen die ungerechtfertigte Inhaftierung“ der Führungsebene einzulegen. „Eine direkte Intervention der Bundesregierung in Teheran für eine Aufhebung dieser Verhaftung ohne konkrete Schuldangabe könnte in dieser schicksalsschweren Stunde von großer Bedeutung sein und helfen, weitere Maßnahmen der iranischen Regierung in dieser äußerst gefährlichen Situation zu verhindern“, heißt es in dem Schreiben.
Bei den Mitgliedern des festgenommen Führungskreises der iranischen Bahá’í-Gemeinde handelt es sich um Frau Fariba Kamalabadi, Herrn Jamaloddin Khanjani, Herrn Afif Naeimi, Herrn Saeid Rezaie, Herrn Behrouz Tavakkoli und Herrn Vahid Tizfahm. Bereits am 5. März 2008 wurde Frau Mahvash Sabet festgenommen.











