Print This Post  Warum wir fasten und beten

2. März 2008 | Beitrag eingestellt von Michael | Bisher 3,358 Aufrufe

Heute hat die neunzehntägige Fastenzeit begonnen. Anlass zur Reflexion.

Schritte

Baha’u’llah stellt in seinen Lehren das praktische Miteinander in den Mittelpunkt. Dem Mitmenschen zu dienen, das Allgemeinwohl zu fördern, Fortschritt und Frieden zu sichern — das ist der Hauptzweck der Religion. Auf den ersten Blick könnte man da meinen, dass Transzendenz und Spiritualität in Lehre und Praxis der Bahai keine Rolle spielen. Man neigt dazu, den Bahai-Glauben auf eine Soziallehre zu reduzieren. Das aber ist zu kurz gegriffen.

Baha’u’llah lehrt, dass der Mensch mehr ist als Materie, dass der Geist dem Körper das Leben gibt, der Geist den Körper bestimmt und erfüllt, so wie das Sonnenlicht die Dinge der Welt vor unseren Augen sichtbar macht. Die Wirklichkeit Gottes ist die Welt der Vollkommenheit. Sie ist das Licht, das alle Dinge erleuchtet.

Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das mit der Auszeichnung ausgestattet ist, Gott zu erkennen und zu lieben, eine Fähigkeit, die, wie Baha’u’llah sagt, als der gesamten Schöpfung zugrunde liegender Antrieb anzusehen ist. Baha’u’llah versichert, Gott habe alles, was existiert, nur für den Menschen gewollt, und auch ihn um seiner selbst willen. Vor diesem Hintergrund ist die Förderung des Allgemeinwohls untrennbar mit der geistigen Entwicklung der eigenen Seele und ihrer göttlichen Vollkommenheiten verbunden.

Bahai-Tempel

Diese Öffnung zur Transzendenz erfordert Opfer. Eigennützige Wünsche, Worte und Taten müssen überwunden werden. Das angehaftete Selbst geht auf in Gott, begibt sich auf einen Weg der Loslösung und Veredelung. Gebet und Fasten machen den Menschen achtsam und bewahren ihn vor Prüfungen auf diesem Weg. Das körperliche Fasten, die Enthaltung von Speise und Trank, ist ein Ausdruck mentaler Selbstdisziplin, welche die menschliche Seele für das Göttliche öffnet. Entscheidend ist die geistige Grundhaltung, die in der Fastenzeit eingeübt wird: die Heiligung von allem außer der göttlichen Liebe.

Eine Reaktion zu “Warum wir fasten und beten”

  1. Emanuel

    Ein sehr inspirierender Beitrag! Danke, Michael.

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