Print This Post  Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger…

1. Februar 2008 | Beitrag eingestellt von Lisa | Bisher 2,577 Aufrufe

weltbuerger Zu Beginn meines Jobs fand für alle 30 Neulinge ein „Newcomertraining“ statt. Abgesehen von Einführungen in die Firma und unsere Tätigkeiten gab es auch gemeinschaftsfördernde „Kennenlernspiele“. Bei einem wurden wir in Gruppen eingeteilt und mussten Antworten auf persönliche Fragen nach unserem Lieblingsessen, den Sprachen, die wir sprechen, unseren Hobbies etc. auf ein Plakat schreiben. Als nach unserer Heimat gefragt wurde, kam als Antwort Italien, Deutschland, Ecuador und Bayern. Dann war ich an der Reihe eine Antwort auf das Poster zu schreiben. Ich dachte nicht lange nach und schrieb „Welt“- ich fühle mich in mehreren Ländern zu Hause und schließlich wissen wir ja von Bahaullah:

„Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger.“

Das Konzept des Weltbürgertums ist jedem Bahai wohlbekannt und wurde von mir – bis dahin – eher als etwas Selbstverständliches aufgefasst.

Die Reaktion meiner Gruppe war für mich deshalb ziemlich überraschend: „Wirklich?“ „Wie meinst du das?“ „Also ich könnte mich vielleicht als Europäer bezeichnen, aber Weltbürger – soweit bin ich noch nicht.“

Erst war ich wirklich erstaunt, aber dann war ich ihnen wirklich dankbar dafür, dass sie mir mal wieder gezeigt hatten, wie besonders, wegweisend und mächtig die Lehren Baha’u’llahs sind, auch wenn sie mir schon wie die einzige logisch richtige Lösung erscheinen.

Wie machtvoll das Konzept des Weltbürgertums ist, kann sich jeder leicht herleiten – wenn die Länder nicht mehr ihre Eigeninteressen verfolgen würden, sondern das Gemeinwohl der Erde – wäre das nicht die Lösung vieler Probleme?

Mir wurde das Potenzial des Weltbürgertums letzte Woche bei einer etwas unangenehmeren Lektüre wieder sehr deutlich: Ich las eine inoffiziell angefertigte Protokollnachschrift der Rede A. Hitlers vom 3.2.1933, in der er erstmals sein Kriegsvorhaben offenlegte. Und wer kann die positiven Auswirkungen, die Weltbürgertum auf Frieden und Gerechtigkeit in der Welt hat, besser einschätzen als jemand, der sich Krieg und Ungerechtigkeit verschrieben hat? So kann man in dieser Rede als Voraussetzung für Hitlers Pläne der „Rettung Deutschlands“ unter anderem wenig Wünschenswertes lesen:

„Man darf nicht mehr Weltbürger sein. Demokratie und Pazifismus sind unmöglich.“

Zu dem Unsinn dieses Satzes muss man wohl nicht viel sagen, aber er verdeutlicht wie wichtig schon allein die Umsetzung dieser einen Lehre Baha’u’llahs für den Fortschritt der Menschheit und den Frieden auf der Welt ist.

Auf eine viel schönere Art und Weise beschreibt Baha’u’llah selbst die Macht der Einheit der Menschheit und fordert uns auf, es zu unserem höchsten Ziel zu machen, diese zu verwirklichen:

“O Völker der Welt! Ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit. Er, die Sonne der Wahrheit, bezeugt Mir: So machtvoll ist das Licht der Einheit, dass es die ganze Erde erleuchten kann. Der eine, wahre Gott, der alle Dinge kennt, bezeugt die Wahrheit dieser Worte. Bemüht euch, dass ihr diese überragende, diese höchst erhabene Stufe erreicht, welche der ganzen Menschheit die Gewähr für Schutz und Sicherheit bieten kann. Dieses Ziel überragt jedes andere Ziel, dieses Streben ist der Fürst allen Strebens.”

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