Interreligiöse Talkshow: Rituale und Gebote im Alltag
19. November 2007 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,962 Aufrufe
Hier der Hinweis auf einen aktuellen Beitrag im Reutlinger General-Anzeiger.
Talkshow — Jugendliche Vertreter verschiedenster Religionsgemeinschaften diskutierten gestern im Haus der Jugend
Rituale und Gebote im Alltag
VON ANDREA ANSTÄDT
REUTLINGEN. Je rasanter sich die Welt wandelt, umso stärker ist der Zulauf zu den Religionen, von denen sich die Menschen Halt erhoffen. In gleichem Maße treten Glaubensvertreter in Konkurrenz zueinander, entfachen aufs Neue den Streit um die Beste aller Religionen. Ignoranz und Fundamentalismus stehen in neuer Blüte, pauschale Verurteilungen durchziehen die Gesellschaft bis hinein ins ganz persönliche Leben.Es geht aber auch anders: Vorurteile abbauen, Schritt um Schritt aufeinander zu gehen durch den Dialog, dieses Ziel hat sich der »Tag der Religionen« gesetzt. Nach der erfolgreichen ersten Auflage im Mai ging die zwanglose Diskussionsrunde gestern im Haus der Jugend in die zweite Runde. Die überwiegend jugendlichen »Talkshow«-Teilnehmer vertraten den Islam, das Judentum und die Bahai-Gemeinde, Schwester Mechthilde, Franziskanerin der Klostergemeinschaft Sießen, das Christentum.
Von der Geburt bis zum Tod
Die Erfahrung, dass Religion ein spannendes Thema ist, machten die rund 60 Zuhörer. Mühelos setzte sich das Gespräch in Gang, das so selbstverständlich gar nicht war, saßen Muslime und Juden, Christen und Bahai einträchtig Seite an Seite. Bei dem zunächst eher unverfänglichen Thema der verschiedenen Feste und Rituale, von der Geburt bis hin zum Tod, stieg auch das Publikum gleich neugierig mit seinen Fragen ein und beteiligte sich.
Durchaus viele Parallelen quer durch die Religionen konnten Daniel Felder, Schwester Mechthilde, Kevser Koca, Kerlm Ben Smlda sowie die beiden Bahai Katharina Wojtulek und Michael Gollmer ziehen. Bei dem Themenkomplex von Tod, Beerdigung und den Vorstellungen vom Jenseits gab es erste entscheidende und durchaus kontrovers diskutierte Unterschiede.
Neuralgischer Punkt
»Ist das Fegefeuer nicht abgeschafft?«, fragte Student und Filmemacher Kerlm Ben Smlda leicht verwundert Schwester Mechthilde, die zuvor die Jenseitsvorstellung als einen durchaus neuralgischen Punkt im modernen Christentum ausgemacht hatte. Jahrhundertelang hätten die Menschen an das Jüngste Gericht, an Himmel und Hölle geglaubt, vor allem auch deswegen, weil die eher symbolischen Bilder, die die Bibel benützte, von den Künstlern in abschreckende Gemälde umgesetzt worden seien. Heute sei diese konkrete Vorstellung natürlich schwierig.
Wo Hölle ist, sind auch Sünder und damit verfing sich die Diskussion eine Zeit lang in dem diametral entgegengesetzten Menschenbild der Religionen und der Erbsünde, ausgehend von den Vorstellungen, dass der Christ als Sünder geboren wird, das Neugeborene im Islam dagegen von Anfang an ein perfekter Moslem ist.
Im Judentum zählen die Taten, stellte Daniel Felder fest. Am höchsten Feiertag, dem Jom Kippur, werden die guten mit den schlechten Taten gegeneinander abgewogen. Eine Hölle indes gebe es nicht. Wenn der Messias komme, so die Vorstellung, werden die Zustände paradiesisch und die Toten auferstehen, so Daniel Felder.
Probleme im Alltag
Nach einer Pause ging es mit Reibungspunkten im Alltag weiter. Sowohl Juden wie Moslems haben es nicht so leicht, sich an ihre Speisevorschriften zu halten. »Für mich ist es im Grunde genommen eigentlich unmöglich«, stellte Daniel Felder fest. Studentin Kevser Koca wies auf die Probleme hin, sich mangels geeigneter Räumlichkeiten an der Uni Tübingen an die Gebetsregeln zu halten.











