Gedanken um Remarque
25. September 2007 | Beitrag eingestellt von Lisa | Bisher 2,848 Aufrufe
Früher hatte ich mal eine schöne Gewohnheit: Von den meisten Büchern, die ich gelesen habe, habe ich mir sie schönsten, interessantesten und denkenswertesten Stellen rausgeschrieben. Auf diese kleine Sammlung bin ich letztes Wochenende beim aufräumen gestoßen, und ein Abschnitt ist mir besonders ins Auge gefallen.
Die Stelle stammt aus „Die Nacht von Lissabon“ von Erich Maria Remarque.
In dieser Nacht im Jahre 1942 wird einem Flüchtling ein Angebot gemacht: Er bekommt die rettenden Schiffskarten nach Amerika wenn er dem Besitzer der Karten nur diese eine Nacht zuhört- er möchte ihm die Geschichte seines Lebens erzählen.
Ich habe das Buch leider nicht da, und so kann ich nichts über den genaueren Zusammenhang schreiben in dem das von mir gesammelte Zitat gesprochen wird- kann aber nur empfehlen es selber nachzulesen, es lohnt sich!J
Soviel zur Vorgeschichte, jetzt muss ich endlich das Zitat loswerden:
„Gott zu finden. Man sucht Ihn immer. Aber man sucht Ihn so, als ob man schwimmen möchte und dazu mit vielen Kleidern, Rüstung und Gepäck ins Wasser springt. Man muss nackt sein.“
Nackt sein. Für mich hat dieses Zitat sehr viel wahres- man kann nicht Gott suchen, nur wenn man alles mitnehmen kann was einem lieb und teuer ist.
Loslösung ist wichtig und Vertrauen in Gott. Man braucht die Kleider nicht mehr wenn man Ihn gefunden hat. Und mit ihnen kann man Ihn nicht finden.
Das erinnert mich sehr an die Zeit bevor ich mich als Bahai erklärt habe- immerhin habe ich 2 Jahre gebraucht seit der Zeit als ich das erste Mal von der Bahai-Religion hörte. Sicher, ich bin auch froh dass ich mir soviel Zeit ließ, es war wichtig so eine Entscheidung nicht überstürzt zu treffen.
Dennoch- wäre ich in meiner Suche nach Gott wirklich „nackt“ gewesen, hätte ich mir nicht soviel selber im Weg gestanden- wer weiß…
Und auch heute noch, jeden Tag aufs Neue in der Suche nach Gott ist es wahrscheinlich noch schwerer wirklich „nackt“ zu sein. Ein täglicher Kampf auch sich nicht wieder anziehen zu wollen in schwächeren Momenten— aber es lohnt sich!












Am 25. September 2007 um 22:54 Uhr
Das ist ein wirklich sehr schönes Zitat und ich finde die Weisheit, die es in sich trägt echt beeindruckend. So hab ich das wirklich noch nie gesehen, aber es stimmt – irgendwie sind die meisten Menschen doch auf der Suche nach “irgendetwas” – viele können es nicht so genau zuordnen und so hoffen sie wohl mehr oder weniger, dass “es” sich irgendwann einmal zeigen wird. Das ist eine sehr bequeme Art die Dinge anzugehen und sie kommt mir bekannt vor. Nur wenn wir uns mal wirklich die Zeit nehmen, um über dieses “irgendetwas” nachzudenken, was schon anstrengend genug scheint, wird uns doch eigentlich erst bewusst, wie wichtig es sein könnte für unser “Sein”. Wir gehen sehr oft die einfachen Wege im Leben und verschieben Mühseliges oft auf später. Das “Später” wir aber auch irgendwann ein Ende haben…
Die Suche nach Wahrheit – und diese Sehnsucht steckt doch (ob verborgen oder sichtbar) in uns allen – erfordert ein solch hohes Maß an Opferbereitschaft, an Überwindungskraft und Mut. Wie es das Zitat so schön ausdrückt, müssen wir uns von allem lösen – von alten Traditionen, von scheinbar festen Meinungen, von gesellschaftlichen Vorstellungen und Handhabungen der Dinge, vom Einfluss auch unseres näheren Umfeldes, von übernommenen Gewohnheiten – nur dann können wir unvoreingenommen und klaren Verstandes an die Prüfung der Dinge herantreten… nackt sozusagen;)
Ich denke, dies ist eine der größten Prüfungen, wenn nicht die größte, die ein Mensch sich in dem hiesigen Leben gegenübersieht. Aber wie Prüfungen es auch so an sich haben, kann man daraus mit Erfolg hervorgehen – mit der Erkenntnis der Aus-/Richtung des eigenen Lebens, mit der Gewissheit um Gottes Führung und Beistand, Vertrauen, mit entflammtem Herzen, mit der Erkenntnis um das Wesentliche, das wahre Leben…etc. – also alles so große und wunderbare Geschenke…
Wie sagt ‘Abdu’l-Bahá es so treffend in Bezug auf Prüfungen: “Die vom Gärtner am stärksten beschnittene Pflanze wird, wenn der Sommer kommt, die schönsten Blüten und die üppigsten Früchte bringen.”
Vielen Dank für diesen Beitrag:)
Am 28. September 2007 um 00:19 Uhr
…mir sind da noch Zitate zu dem Thema, was mich gerade nicht so ganz loslässt, über den Weg gelaufen;)
“Doch wird der Sucher nur dann sein Ziel erreichen, wenn er allen Dingen entsagt: er muß alles, was er gesehen, gehört und verstanden hat, in den Wind schlagen können, um in das Reich des Geistes zu kommen, das die Stadt Gottes ist. Ernste Bemühung ist nötig in unserem Suchen nach Ihm und heißer Eifer..”
(Bahaullah, Die sieben Täler, Vier Täler)
“O Sohn des Staubes!
Werde blind, damit du Meine Schönheit schauest, werde taub, damit du den lieblichen Klang Meiner Stimme hörest. Leg ab alle Gelehrsamkeit, damit du an Meinem Wissen teilhabest. Löse dein Herz vom Besitz, damit du aus dem Meer Meines ewigen Reichtums einen bleibenden Anteil gewinnest. Werde blind, das heißt für alles außer Meiner Schönheit. Werde taub für alles außer Meinem Wort. Lege alle Gelehrsamkeit ab außer Meiner Erkenntnis, so daß du mit klarem Auge, reinem Herzen und wachem Ohr an Meiner Heiligkeit Hof gelangest.”
(Bahaullah, Die Verborgenen Worte pers. 11)