Fürth: Lange Nacht der Religionen
16. Mai 2007 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,339 Aufrufe
»Eintritt in Scharen«
— Ein sehr persönlicher Bericht von Parastoo Kirschner und Roland Zimmel —
Beschämt durch unsere Kleingeistigkeit wurden wir Zeuge der großartigen Segnungen Gottes und der mächtigen Hilfe der Himmlischen Heerscharen.
Anlässlich des 1000jährigen Stadtjubiläums organisierte die Stadt Fürth „die lange Nacht der Religionen“. Dazu wurde ein 16-seitiges Faltblatt gedruckt, in der 15 Glaubengemeinschaften vorgestellt wurden, die von 19:00 Uhr bis 23:00 besucht werden konnten. Dazu stellte die Stadt Busse zur Verfügung, die alle 15 Minuten von einem Veranstaltungsort zum anderen fuhren.
Die Bahá’í wurden im Programm an 9. Stelle erwähnt und hatten ihren Veranstaltungsort im Hotel zum Schwarzen Kreuz, Königstr. 81 (9×9), der sich als ideal für diesen Rahmen erwies. Die Fürther Bahá’í hatten schon früher diesen Raum genutzt, der jetzt unter neuer Leitung geführt wird. Der neue Besitzer des Hotels kam unseren Wünschen sehr entgegen obwohl er nicht wusste, wer wir waren. Auch konnten wir ihm nicht voraussagen, mit wie vielen Gästen wir rechneten, um entsprechende Erfrischungen disponieren zu können. Während das Hotel trotz unbekannter Anzahl genügend Erfrischungen zur Verfügung stellen konnten, lagen wir mit der Bestellung der Informatitonsbroschüren arg daneben.
Zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn trafen sich fünf Freunde, um den Raum vorzubereiten. Dazu hatten wir die Unterstützung der Ingolstädter Ute und Kian Hedayati, die ihre phantasti-sche Ausstellung mitbrachten. Mittelpunkt unserer Veranstaltung war die Präsentation der Bahá’í DVD „Einführung in die Bahá’í-Religion“, die laufend wiederholt wurde. Auch haben wir einen würdigen Platz gefunden, wo wir das Kitab-i-Aqdas auslegen konnten. Es war umrahmt von 2 Kerzen und zwei Blumengestecken. Rundherum lagen bunte Rosenblätter. Darüber war der Größte Name und darüber das Bild ’Abdu’l-Bahás. Unser „Schrein“ war auf einer alten Holzan-richte, die sich für diesen Zweck als sehr geeignet erwies und auch die Platzierung innerhalb des Raumes.
Natürlich fehlte auch unser Informationstisch nicht, auf dem wir die Verborgenen Worte, das Buch über das Weltzentrum auf dem Karmel von der Stadt Haifa, das Buch der Gewissheit und die Worte der Weisheit mit Gebeten aufstellten. Wir waren zuversichtlich, gut vorbereitet zu sein und genügend an Informationen vorrätig zu haben.
Eine halbe Stunde vor Beginn hatten wir mit unsere Vorbereitungen abgeschlossen und begannen mit einer Gebetsrunde, um uns geistig auf die Sucher, die Gott zu uns führen wird, einzustellen und sie von Herzen willkommen zu heißen.
Die Spannung stieg. Wie wird dieser Tag verlaufen? Wird unsere Technik auch nicht versagen? Wie wird unsere Präsentation von den Bürgern angenommen?
Pünktlich um 19:oo Uhr erschienen zwei ältere Herren aus Fürth und 5 Minuten später kam ein weiterer, der jedoch vorhatte, im Hotel zu essen und überrascht, war uns dort vorzufinden. Zuerst dachte ich, na hoffentlich verirren die drei sich nicht in unserem großen Raum von ca. 300qm. Dann passierte etwas, was wir in dieser Form noch nicht erlebt hatten: Die Stadt-Busse brachten die Gäste scharenweise in unseren Saal. Wir waren überwältigt. Keiner von uns wusste ab diesem Zeitpunkt was mit ihm geschah. Wir wurden von einer Sekunde zur andern ein williges Werkzeug, in der Hand Gottes und empfanden Dankbarkeit und Gnade. Wir spürten welch großartiges sich hier ereignete. Wie können wir nur unserer der hohen Bestimmung gerecht werden, die Bahá’u'lláh für uns bestimmt hat? „Ihr seid die Sterne am Himmel des Verstehens, der frische Wind, der am Morgen weht, das ruhig fließende Wasser, von dem das wahre Leben der Menschen abhängt.“
Zeitweise hielten sich 100 Gäste gleichzeitig in unserem Saal auf. Nach der 20 Minuten dauernden Präsentation, die von allen sehr aufmerksam verfolgt wurden, ergab sich ein natürlicher Austausch der Gäste, die auf den Stühlen vor der Präsentationswand Platz nahmen. Nach der Einführung ergaben sich teilweise längere Gespräche, zu denen man sich spontan zu Gruppen bildeten. Auch erwies sich der 15-Minuten-Takt der Busse als geradezu ideal für unsere Planung. Die Gäste kamen kurz vor Schluß der Präsentation und nahmen am Ende Platz, um sie von Anfang an sehen zu können. Somit hatten wir auch einen natürlichen zeitlichen Rahmen, in dem ein kompletter Austausch der Gäste stattfand. Warum das alles so gut passte, weiß nur Gott. Zirka 700-800 Gäste (!!!), konnten wir begrüßen, was wir mit Eintritt in Scharen bezeichneten.
Unsere Informationen wurden uns aus den Händen gerissen. Die für 185 EUR bestellen Informationsschriften aus dem Bahá’í-Verlag konnten die Nachfrage in keinster Weise befriedigen. Auch zusätzlich ausgedruckte DIN-A-4-Informationsblätter, von denen wir dachten, dass sie zuviel seien, waren schnell vergriffen, sowie die von einer Freundin schnell besorgten zusätzlichen Informationsblätter konnten die Nachfrage nicht stillen. Selbst Aufkleber, die wir zum Bekleben von Broschüren vorbereitet hatten, waren zum Schluss das einzige, was wir mitgeben konnten, um eine Kontaktadresse mitzugeben. Als auch diese verbraucht waren, blieben uns nur noch handschriftliche Notizzettel um unsere Adressen weiterzugeben.
Kurz vor Veranstaltungsbeginn hatte Parastoo Kirschner sich entschlossen, wöchtenlich eine Andacht anzubieten, weil es sonst keine weiteren Veranstaltungen gab, zu denen wir konkret und regelmäßig hätten einladen können. Im Laufe des Abends haben sich Violet und Anousch Mazloum ebenfalls entschlossen Andachten bei sich abzuhalten. Was hat Gott bewirkt? Und genau das war es, wonach viele der Gäste fragten. Sie waren hungrig nach Geistigkeit. Viele fragten nach Gebeten, nach dem Leben nach dem Tode. Wie steht die Bahá’í-Religion zur Sünde und zur Vergebung und viele weiteren Themen. Kann man gleichzeitig in der Kirche bleiben wenn man Bahá’í wird?
Von einer berührenden Begegnung berichtete Parastoo Kirschner: „Irgendwann rief mich Ute Hedayati, ich solle doch kurz kommen. Ich sah dann eine Frau, die weinend auf einem Stuhl saß. Ich weiß nicht wieviele Hunderte von Menschen da waren. Und Irgendwo dazwischen war sie. Wenig später erfuhr ich von ihr, dass ihr 4-jähriger Sohn vor kurzem gestorben sei. Die junge Frau erzählte, dass sie an diesem Abend irgendwie dahin geführt wurde. Und sie musste schnell auf ihr Fahrrad steigen und dorthin kommen. Als sie die Einführungspräsentation über die Bahá’í-Religion sah und etwas über dem Leben nach dem Tod hörte, konnte sie ihre Tränen nicht mehr halten.«
Eine andere Frau erzählte, dass sie sehr erstaunt sei etwas über Kindererziehung gehört zu haben. Solche Gedanken hatte sie bis jetzt noch nicht gehört. Wieder ein andere sagte, ja, das sind Ansichten, die ich auch schon immer hatte. Eine weitere Frau erzählte mit strahlendem Gesicht: “Es ist alles so schön und so einfach. Wo kann man zu den Bahá’í kommen. Wo treffen sie sich u.s.w. Es gab unzählige solcher Aussagen.
Auch der Oberbürgermeister der Stadt Fürth, Thomas Jung, der in Begleitung eines Fotographen des Presseamtes war, besuchte unsere Veranstaltung und äußerte sich überrascht, wie diese lange Nacht der Religionen von den Bürgern angenommen wurde.
Pünktlich um 23:00 war unsere letzte Präsentation beendet und wir packten alle zusammen schnell ein, um uns anschließend auf dem „Grünen Markt“ zum gemeinsamen Abschlußgebet der Religionen zu treffen. Hunderte von Teilnehmern waren versammelt, von denen wir viele erkannten, weil sie zuvor zu uns kamen. Elham Mazloum war die einzige Frau unter den Religionsvertretern, die zum Abschluß das Gebet für die Menschheit von ’Abdu’l-Bahá sprach. Jedes mal, wenn einer der Religionsvertreter sein Gebet gesprochen hatte, zündete er eine Kerze an, die von dem vorherigen Vertreter übernommen wurde um sie in einen vorbereiteten Sandkasten einstecken zu können. Unsere Kerze übernahm der Vertreter der Moslems. Interessant war, dass von den 15 Religionen sich nur 5 auf dem Marktplatz präsentierten. Juden, Christen (evangelisch), Buddhisten, Moslems und Bahá´’í.
Alle Teilnehmer bekamen ebenfalls eine Kerze und steckten sie anschließend in den vorbereiteten Sandkasten. Tief beeindruckt vom Zuspruch der Bürger äußerte der Oberbürgermeister, dass dies nicht die letzte Nacht der Religionen war, obwohl vorher keine weitere geplant war. Es war eine friedliche, harmonische Atmosphäre bei Vollmond und sternenklarer Nacht. Gegen 0:00 Uhr war die Veranstaltung beendet.
Fazit: Wir waren Zeuge eines Neubeginns hier in Fürth!











