Print This Post  Wie das Bundesverfassungsgericht zu den Bahai führt…

11. Februar 2007 | Beitrag eingestellt von Tobias | Bisher 3,064 Aufrufe

Richter des BundesverfassungsgerichtsNachdem ich nun schon lange versprochen hatte, diesen Artikel zu schreiben, habe ich es endlich auch begonnen zu tun.

Nun, wie kommt man als Jurastudent zum Bahai-Glauben? Doch, um genau zu sein, war ich zu der Zeit, als ich zum ersten Mal mit der Bahai-Sache in Kontakt kam, noch nicht Student, sondern Schüler der 12. Klasse in einer gymnasialen Klasse auf einem Oberstufenzentrum. Aufgrund spezieller Berufsorientierungen hatten wir dort die Möglichkeit, Recht als Grundkurs anstatt von Politik zu wählen, was ich auch tat. Am Ende der 12. Klasse behandelten wir dort das Thema Religion und Recht, so erhaschte auch mich der Tag, an dem ich einen Vortrag über dieses Thema, in welchem ich untersuchen sollte, wie es um das rechtliche Verhältnis zwischen dem deutschen Staat und nicht-christlichen Religionsgemeinschaften bestellt ist.  Ziemlich bald stieß ich dann auf den sogenannten Bahai–Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes (2 BvR 263/86, BVerfGE 83, 341).

Da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, habe ich mich natürlich auch informiert, was dieses „ominöse“ Bahai nun war, zugegeben aus dem Wikipedia-Artikel. Die Grundsätze erschienen mir, soweit ich mich entsinne, zwar recht lobenswert, aber aufgrund der diversen historischen Vorfälle, in die institutionalisierte Glaubensrichtungen immer wieder verwickelt waren (Kreuzzüge, Dschihad, Zwangskonvertierungen, Machtpolitik des Klerus etc.), war ich auch hier recht skeptisch und verfolgte die ganze Sache auch nicht weiter intensiv. Zum einen fehlte zu jener Zeit das Interesse und zum anderen hatte ich einige Fehler aus meiner früheren Schulzeit wieder wett zu machen. So beschäftigte ich mich erst wieder nach dem Abschluss meines Abiturs mit der Thematik. Diesmal jedoch wesentlich intensiver — so suchte2 ich im Internet alles Mögliche zum Thema heraus, so auch sehr bahaikritische Seiten, welche ich aufgrund einer gewissen charakterlich begründeten Skepsis gegen fast alle Dinge besonders beachtete. Schließlich hatte ich nun bestimmt hunderte Seiten — offizielle, private, kritische und so weiter gelesen.

Am Ende sah ich, dass dies kaum etwas bringen würde ohne Bahai-Literatur, primäre und auch sekundäre, zu lesen, also bestellte ich mir ein paar Bücher vom Bahai-Verlag. Soweit ich mich richtig erinnere, waren die ersten Bücher die „Ährenlese“ von Bahaullah und „Bahaullah, Eine Einführung“, ein kleines Büchlein aus der Sparte der Sekundärliteratur. Das zweite ließ sich recht einfach und schnell lesen, das erste jedoch aufgrund seiner noch ungewohnten Sprache recht schwer. Interessiert war ich jedoch und im Inneren spürte [ich] irgendwie etwas Besonderes, als ich die Worte der Ährenlese las.

Recht plötzlich schickte ich dann einfach allen Bahai-Gemeinden in meinem Umfeld eine E-Mail und die Bahai-Gemeinde Potsdam antwortete am schnellsten. Die Menschen dort erschienen mir sehr herzlich und warmherzig,  Eigenschaften, welche man recht selten findet in der heutigen Welt, oder zumindest ich nicht. So traf ich mich öfter mit der Gemeinde und intensivierte meine Gedanken weiter und eines nachts nach einigen recht intensiven Gedankengängen schrieb ich einem Gemeindemitglied schließlich um 4 Uhr eine E-Mail, dass ich beitreten möchte, was ich am vorletzten 19 Tage Fest des christlichen Jahres 2006 dann auch tat.

»Eine Stunde Nachdenkens ist mehr
wert als siebzig Jahre frommer Andacht.«

Bahaullah, Kitáb-i-Íqán 2:166

2 Reaktionen zu “Wie das Bundesverfassungsgericht zu den Bahai führt…”

  1. Renate

    Lieber Tobias,

    ich mache es wie die RichterInnen auf dem Bild :-) und nehme meinen Hut, vor Deiner von Gott geführten und von Dir erkannten und praktisch durchgeführten Entscheidung – Bahai zu werden! – Einfach “Wunder”-bar! Du hattest einen sehr kurvenreichen Weg hinter Dir, so wie (vermutlich) die Meisten, bevor sie Bahai werden.
    Alles Gute für Dein Studium

    Renate

  2. Ashkan

    Woow, tolle Geschichte mein Freund :)

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