Print This Post  Geschichte parallel gelesen

25. Januar 2007 | Beitrag eingestellt von Shila | Bisher 3,523 Aufrufe

Tahirih in History (Buchcover)Wer zuerst darauf gekommen ist, wird wohl nicht mehr rekonstruiert werden. Fest steht: Die Frauenbewegung hat auf magische Art und Weise ihren gemeinsamen zeitlichen Anfang in verschiedenen Teilen der Welt: Während sich 1848 der erste Frauenkongress in Chicago formierte und gleiche Rechte für Frauen forderte, verkündete im gleichen Jahr im damaligen Persien eine Dichterin das Ende der Unterdrückung der Frau. Tahriih, die Reine, nahm auf einer öffentlichen Konferenz ihren Schleier ab und entsetzte damit die anwesenden Männer. Zeitzeugnisse beschreiben, wie die Verzweiflung einiger ob dieser Entblößung so groß war, dass sie sofort das Weite suchten. Ein Mann soll sich vor Schrecken selbst die Seele mit dem Säbel durchschnitten haben.

Die »Seneca Falls Convention« vom 19. und 20. Juli 1848 war die erste Frauenrechtskonferenz in den Vereinigten Staaten und gilt als die Geburtsstunde der Emanzipationsbewegung. Hier sollten die grundlegenden Rechte der Frauen – Wahlrecht, Scheidungsrecht, Menschenrechte. Es war noch so viel im Argen! Obwohl die Konferenz von den Frauen Lucretia Mott, Elizabeth Cady Stanton, Jane Hunt und Elizabeth McClintock organisiert worden war, wagten sich doch einige Männer nach Seneca Falls. Anstatt sie weg zuschicken, beschlossen die Frauen, mit ihnen gemeinsam zu arbeiten. Schon am zweiten Tag wurde die »Declaration of Sentiments« verabschiedet, angelehnt an die »Declaration of Independence«, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Diese Erklärung von Seneca Falls proklamierte, dass »Männer und Frauen gleichberechtigt erschaffen wurden« und verurteilte jede Ungleichbehandlung unter den Geschlechtern und forderte insgesamt 18 Rechte für Frauen zur Teilhabe am öffentlichen Leben. Sie wurde in der Kapelle der örtlichen Gemeinde von Elisabeth Stanton verlesen, eine der Organisatorinnen. Von den 300 Teilnehmern, unterschrieben 100 die Erklärung.

Genau wie Elisabeth Stanton war Tahirih (oder Qurratu’lAyn) Anfang 30, als sie zwischen Ende Juni und Anfang Juli 1848 auf der Konferenz von Badasht auftrat – tausende Kilometer von Seneca Falls entfernt. Sie war die einzige Frau unter 81 Männern. Sie trat unverschleiert vor die Männer, »in ihrem besten Kleid und parfümiert«, um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen auszurufen – und stürzte die meisten Anwesenden in größte Verzweiflung.
Während Elisabeth Stanton von Seneca Falls aus eine nationale Bewegung ausrief und die Unterstützung einer großen Zahl Amerikaner hatte, wurde Tahririh für ihren Mut unter Hausarrest gestellt. Später wurde die persische Dichterin erdrosselt. Sie wird noch heute von vielen Frauen und Männern – nicht nur den Bahai – für ihren Mut und ihre Intelligenz bewundert, ihre Gedichte finden sich heute in den großen Prosawerken Irans wieder.

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