Print This Post  Philharmonie der Nationen

12. Januar 2007 | Beitrag eingestellt von Nicola | Bisher 3,648 Aufrufe

Philharmonie der NationenEin Genuss für die Sinne, für Geist und Seele, und zugleich ein Projekt zur Nachwuchsförderung und Völkerverständigung – so könnte man die Konzerte der Philharmonie der Nationen unter der Leitung von Justus Frantz vielleicht am besten beschreiben. Jedenfalls wirkte das Tschaikowski-Konzert gestern so auf uns.

Während ich der kraftvollen Interpretation von Tschaikowskis heiterem Capriccio italien A-Dur op. 45 lausche, denke ich: das ist Globalisierung mal anders. Hier wirken junge Künstler aus 40 Nationen und 5 Kontinenten zusammen (wobei der afrikanische Kontinent leider nur sehr schwach repräsentiert ist). Die Vielfalt der vertretenen Nationen, Sprachen und natürlich auch Instrumente, deren Zusammensetzung sich allerdings nicht von anderen Orchestern unterscheidet, tut dem Zusammenspiel der Musiker keinerlei Abbruch — im Gegenteil, es ist hervorragend.

Die Liebe zur Musik verbindet alle: die Künstler aus aller Welt und die aufmerksamen Zuhörer auf den unbequemen Stühlen des gut gefüllten Konzertsaals der Halle Münsterland.

Neujahrsgrüße, die dem Publikum zu Beginn des Konzerts vom Dirigenten und 17 Mitgliedern des Orchesters in 18 Sprachen und teilweise auch landestypischen Gesten übermittelt werden, sorgen dafür, dass uns die Internationalität der Unternehmung veranschaulicht wird und während der nächsten zwei Stunden präsent bleibt.

Die Klänge von Tschaikowskis Violinkonzert D-Dur op. 35 nehmen mich gefangen. Gerade hüpft der Bogen des Solisten in atemberaubendem Tempo unbeschwert über die Saiten seiner Violine. Der aus Budapest stammende József Landvay ist kein Nachwuchskünstler mehr, sondern hat bereits viele Auszeichnungen erhalten und beeindruckt mittlerweile ein internationales Publikum — einschließlich der sonst eher zurückhaltenden Münsteraner — durch Virtuosität und Leichtigkeit.

Nach der Pause geht es mit Tschaikowskis fünfter Sinfonie in e-moll op. 64 weiter, die er im Jahr 1788 komponierte. Sie wirkt melancholisch, bisweilen turbulent und aufbrausend und durch die anhaltende Kontrabaß-Untermalung streckenweise bedrohlich. Zwischendurch kündigen Blechbläser neue Entwicklungen an, die sich aus dem Tumult erheben… (so zumindest meine Deutung). Eine enorme Spannung wird aufgebaut, die sich im letzten Satz noch steigert und schließlich in einem triumphalen Abschlußmarsch auflöst.

Das Publikum ist begeistert und erklatscht sich drei Zugaben, zuletzt einen Tschaikowski-Walzer, der auch der Harfe nochmal richtig zur Geltung verhilft.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Vermutlich, weil ich etwas von meiner Freude weitergeben will und weil mich als Bahai die Idee der 1995 gegründeten Philharmonie der Nationen besonders anspricht. Musik wird im Bahai-Schrifttum als “eine Leiter für die Seele”, “ein Mittel für ihren Aufschwung in das Reich der Höhe” und als “geistige Nahrung für Herz und Seele” beschrieben. Im Konzept der Philharmonie der Nationen sehe ich darüber hinaus einen Beitrag zu Frieden und Verständigung. Hier werden Kultur, Talente und Begabungen über alle Grenzen hinweg gefördert und erlebbar gemacht.

Es gibt in vielen Bereichen menschlichen Strebens und Zusammenlebens Projekte mit ähnlicher Zielsetzung, die einen positiven Beitrag leisten und uns hoffnungsfroh stimmen können. Die Philharmonie der Nationen ist eine davon, und noch dazu eine medienwirksame, was angesichts der viel zu verbreiteten Negativberichterstattung auch nicht schlecht ist.

Also: herzlichen Dank für den wunderschönen Konzertabend, ein gutes Neues Jahr für die Mitglieder der Philharmonie der Nationen und weiterhin viel Erfolg!!!

Eine Reaktion zu “Philharmonie der Nationen”

  1. achim56nrw

    Liebe Nicola,
    dieses Orchester ist wirklich wundervoll. Als ich noch in Magdeburg wohnte, gab es ein Open-Air-Konzert im großen Park. In der Pause wurden Tische aufgestellt und man konnte sich als Fördermitglied eintragen lassen. An einem Tisch stand auch Prof. Justus Frantz. Ich ergriff die Gelegenheit, ihm eine Doppel-CD mit Musik vom Bahá’í-Welt-Kongress in New York zu schenken. Er freute sich sehr darüber und ich wusste, dass er schon vorher mit Bahá’í-Freunden persönlichen Kontakt hatte. Er fand es schade, dass ein Benefizkonzert der Philharmonie der Nationen zugunsten eines von der Bahá’í-Gemeinde geplanten Projekts vor einigen Jahren nicht zustande kam und meinte, dass es wohl auch daran gelegen habe, weil wir zu zurückhaltend seinem Organisationsteam gegenüber gewesen seien. Ich konnte dazu jedoch nichts sagen, weil ich über die Hintergründe nicht informiert war.
    Eine Mitarbeiterin versuchte mich dann als Fördermitglied zu gewinnen. Da ich aber zu dieser Zeit arbeitslos war, konnte ich keine nennenswerten Beiträge anbieten. Daraufhin schaltete sie Herrn Prof. Frantz ein und dieser entschied sich dann dafür, dass ich ab sofort Ehrenmitglied des Fördervereins bin.
    Ich habe danach einige Male versucht, mit Herrn Prof. Frantz Kontakt aufzunehmen und ihm z.B. nach Rücksprache mit der Redaktion angeboten, einen Artikel zum Thema “Kunst” in unserer Zeitschrift “Tempora” zu schreiben.
    Leider ist es mir nie gelungen, an ihn persönlich heran zu kommen und meine Schreiben blieben unbeantwortet.
    Vielleicht sollte ich versuchen, den Kontakt wieder aufzunehmen, zumal mir gesagt wurde, ich sei immer noch Ehrenmitglied.
    Die Philharmonie der Nationen ist wirklich ein wundervolles Beispiel für die Einheit der Menschheit.

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