Print This Post  Westdeutsche Zeitung über Dormagener Bahai

11. Januar 2007 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,676 Aufrufe

Ein schöner Artikel über die Dormagener Bahai-Gemeinde ist gestern, am 10.1.2007, in der »Westdeutschen Zeitung« erschienen. Fiona Missaghian-Moghaddam hat wohl ein Interview gegeben — wer sie z.B. von den Tagungen der Gesellschaft für Bahai-Studien kennt (siehe z.B. unseren Beitrag »Bahai-Studien: Jahrestagung«), mag also nachlesen, was sie zu sagen hat! :-)

Dormagen: Eine Religion ohne Priester oder Prediger
von Barbara Ochs

In Dormagen gibt es seit 30 Jahren eine Bahá’i-Gemeinde. Ihre Mitglieder haben eine überregionale Schule gegründet.

Dormagen. Für die meisten Menschen ist die Bahá’i-Religion etwas Exotisches. Bahá’i gibt es seit 160 Jahren, das ist im Vergleich mit anderen Religionen wie dem Buddhismus oder dem Hinduismus, die es schon seit tausenden Jahren gibt, eine sehr kurze Zeitspanne. Dennoch ist Baha’ i in mehr Ländern verbreitet als der Islam. Etwa sechs Millionen Menschen in fast allen Ländern der Welt glauben an die Baha’ i-Lehren.

In Deutschland sind es etwa 5000 Gläubige. In Dormagen gibt es seit 30 Jahren Bahá’i. Derzeit sind es neun Familien, die nach dem Glauben der Bahá’i leben. Obwohl das eine recht kleine Gemeinde ist, haben die Mitglieder durch ihr Engagement vor Jahren eine überregionale Bahá’i-Schule ins Leben rufen können.

Weil die Gemeinde keine eigenen Räume hat, findet die Bahá’i-Schule alle zwei Wochen samstags in der Christoph-Rensing-Grundschule statt. Wie in einer Sonntagsschule wird in sechs Altersstufen von 3 bis 15 Jahren und für Erwachsene Unterricht erteilt. “Es geht um die Lehren der Bahá’i, und es wird in den Schriften gelesen. Aber es wird auch über andere Religionen und deren Grundsätze gesprochen”, erklärt Fiona Missaghian-Moghaddam. Die Dozentin für Religionswissenschaften ist Mitglied im Geistigen Rat der Dormagener Bahá’i und zudem Vorsitzende des Rates der Religionen der Stadt.
Den Glauben von Andersdenkenden zu tolerieren, ist einer der Grundsätze der Baha’ i. “Die Erde ist ein Land und alle Menschen sind seine Bürger”, sagte Religionsbegründer Baha`u`llah. Nach diesem Grundsatz leben die Bahá’i ihre Tugenden wie Toleranz, Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Vorurteilsfreiheit. “Dazu gehört auch, dass Kinder von Bahá’i nicht automatisch den Glauben übernehmen, sondern in ihrer Entscheidung frei sind, ob sie sich mit 15 Jahren den Bahá’i anschließen”, erklärt Fiona Missaghian-Moghaddam, die selbst Mutter von zwei Kindern ist.

Baha`u`llah hinterließ eine Reihe von Schriften, die zum Teil im Original erhalten sind. Sein Sohn Abdul Baha stellte daraus zwölf Grundsätze zusammen. “Es gibt nur einen Gott, die einzelnen Religionen sind entstanden, weil die Glaubensrichtungen durch unterschiedliche Orte und unterschiedliche Zeiten geformt wurden”, erklärt die Religionswissenschaftlerin.
Das Leben als Bahá’i kennt nur wenige Riten. “Als mein Mann Amin und ich geheiratet haben, haben wir eine gute Freundin gebeten, einen Text vorzulesen”, erinnert sich die 34-Jährige. Das individuell zu verrichtende tägliche Gebet zu Gott und das jährliche Fasten nehmen eine wichtige Rolle der Bahá’i ein. Es gibt keine Priester oder Prediger. Die “Häuser der Andacht”, von denen es auf jedem Kontinent eines gibt, dienen der Lesung und dem Gesang aus den Heiligen Schriften. “Die ,Häuser der Andacht` sind immer rund und haben neun Türen, eine für jede große Religion.”

Quelle: http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=140929

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