WELT-Blog über Bahai
20. Dezember 2006 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,574 Aufrufe
Shila, die bisweilen auch für BAHAI EINBLICKE schreibt, kommt auch in dem Blog-Beitrag der Hamburger Journalistin der Tageszeitung DIE WELT und Kulturwissenschaftlerin Kathrin Ludwig, 26, vor. Letztere lebt zurzeit für sechs Monate in Israel: sie studiert an der Tel Aviv University Kultur und Geschichte des Nahen Ostens. Gefördert wird ihr Aufenthalt in Israel durch das Stipendium »Trialog der Kulturen« der Herbert-Quandt-Stiftung. Shila und Kathrin trafen sich während Shilas Pilgerreise — das Folgende ist das Resultat, das in Kathrins Tagebuch nachzulesen ist:
»Der Schlüssel zur Lösung des Nahostkonflikts liegt in den Händen der Mütter,« sagte der Vater meiner Freundin Shila aus Hamburg vor wenigen Tagen zu mir. An seine Worte musste ich seitdem oft denken. Shila und ihr Vater sind Bahá’í und zu Besuch in Haifa, dem geistigen Zentrum der jüngsten Weltreligion.
Der strahlend weiße Bahá’í-Schrein thront wie ein Märchenschloss auf dem Hang des Bergs Karmel. Die goldene Kuppel glänzt in der Sonne, die blühenden Gärten erstrecken sich wie ein Gemälde über die 18 hängenden Terrassen. Vom »achten Weltwunder« sprechen Besucher des einzigartigen Ortes, die sich am Wahrzeichen Haifas nicht satt sehen können. Das Weltzentrum der Bahá’í, ein Ort der Ruhe, der Harmonie, der architektonischen Vollkommenheit. Eines der höchsten Ziele der Bahá’í: Weltfrieden. Was für ein großes Wort in dieser krisengebeutelten Region.
Ich bekomme eine Privat-Führung von meiner Freundin Shila. Ihr Vater stammt aus dem Iran, ihre Mutter ist eine Deutsche. Durch Shila erfuhr ich vor einem Jahr zum ersten Mal vom Bahá’í-Glauben. »Wie exotisch«, dachte ich damals. »Wie vorbildlich«, denke ich heute.Was für die Juden Moses, für die Christen Jesus, für die Moslems Mohammed ist, ist Bahá’ulláh (Arab.: »Die Herrlichkeit Gottesq) für die Bahá’í. Er verkündete seine Lehre Mitte des 19. Jahrhunderts in Persien. Weil der Bahá’í-Glaube eine vom Islam unabhängige Religion ist, landete Bahá’ulláh im Gefängnis und wurde nach Akko verbannt. Dort befindet sich noch heute die heiligste Stätte der Bahá’í.
Bahá’ulláhs Lehre besagt, dass alle Welt-Religionen eins und nur als verschiedene Stadien zu verstehen sind. Über fünf Millionen Bahá’í gibt es heute weltweit. Sie treten für die Einheit der Menschheit, die Gleichstellung von Mann und Frau und die Einheit von Religion und Wissenschaft ein. Nach Haifa kommen sie zum Schrein des Báb, dem Wegbereiter Bahá’ulláhs, um zu meditieren, beten, Kraft zu schöpfen.
Während unseres Spaziergangs durch die Gärten, stoße ich aus Versehen einen roten Kieselstein auf die weißen Stufen. Shila hebt ihn auf und legt ihn zurück auf den Weg. 120 Gärtner, Freiwillige aus aller Welt, stutzen die gepflegten Rasenflächen, gießen die Rosen, Zypressen, Orangenbäume und harken die geschwungenen Wege. Der Blick von den Terrassen – atemberaubend. Wir sehen den Hafen, das azurblaue Mittelmeer, die robusten Häuser der Templer, die sich hier 1868 niederließen.Die Maxime der Bahá’í: Der Glaube soll sich in Taten äußern — Shila lebt sie. Während des Libanon-Kriegs schickte sie eine Rundmail an Bekannte und Kollegen und lud uns zum Friedensgebet ein. »Wie naiv«, sagten manche. »Gäbe es doch nur mehr Menschen wie sie«, sage ich.
»Sind Sie Bahá’í?«, fragt ein Touristenführer Shila, als wir die Aussicht genießen. Shila nickt. »Sie müssen sehr stolz auf all das sein.« — »Ja, das bin ich.«, sagt sie lächelnd.












Am 23. Dezember 2006 um 16:12 Uhr
Ein echt schöner Beitrag von ihr, fand ich echt schön, also so ganz subjektiv.
Liebe Grüße