Print This Post  »Meines Vaters Land« — die Frage der Verantwortung

5. Dezember 2006 | Beitrag eingestellt von Lisa | Bisher 2,374 Aufrufe

StauffenbergIch hatte heute abend das Glück, zu einem Treffen der Stiftung 20. Juli 1944 (Attentat auf Hitler durch Stauffenberg) eingeladen zu sein, an dem Wibke Bruhns aus ihrem Buch »Meines Vaters Land« las und Fragen beantwortete.

Das Buch hatte ich bereits vor 2 Jahren gelesen und kann es generell nur jedem empfehlen, der die Menschen im dritten Reich verstehen will. In dem Buch geht es um die Familie der Autorin und ihr Verhalten unter Hitler.

Ihr Vater wurde als Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im August 1944 hingerichtet, obwohl er anfangs von Hitler begeistert war. In ihren Recherchen um zu verstehen wie es dazu kam — warum er anfangs begeistert war und warum er sich dann entschied, gegen Hitler zu kämpfen — beginnt sie interessanterweise bei ihrem Urgroßvater und zeichnet so ein sehr klares Bild davon, wie Generationen sich weiterentwicklen, aber auch wie sie sich beeinflussen, und wie sie sich durch ihre Umwelt mitreißen lassen.

Mich hat das heute wieder sehr berührt, weil es mir gezeigt hat, wie wichtig die eigenen Entscheidungen sind, und dass es nie zu spät ist, einen Fehler einzugestehen. Ich finde, es verdient außerordentliche Bewunderung, wenn sich jemand von einem Hitlergetreuen so wandelt, dass er am Ende genau gegen das kämpft, für das er vorher gearbeitet hat — weil das bedeutet sich einzugestehen, dass man einen großen Fehler gemacht hat und verblendet war, etwas, dass wohl niemand gerne tut.

Auch wenn das natürlich ein großes Beispiel ist, so finde ich es doch wichtig es auch im kleinen durchzuführen und sich hin und wieder zu fragen: Ist das richtig und gut, nur weil alle es tun? Behandele ich jeden fair? Habe ich Angewohnheiten, die andere verletzen oder schaden? Wir stehen alle zum Glück nicht vor so großen Prüfungen und Versuchungen, wie die Menschen damals — aber grade deswegen haben wir die Verantwortung wenigstens unsere kleinen Prüfungen und Versuchungen ernstzunehmen. Wir müssen unser Leben nicht opfern um die Welt eine bessere werden zu lassen.

Dazu fällt mir das folgende Zitat ein, dass wir gestern bei Ruhi über die Bahai-Sicht gelesen haben:

»Die Besserung der Welt kann durch reine und gute Taten, durch lobenswertes und geziemendes Verhalten erreicht werden.«

So einfach? Ja, so einfach :-)

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