Eine Pilgerreise in Deutschland
21. November 2006 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,406 Aufrufe
von Roswitha Greis
Sonntag, 12. November 2006, 14.00 Uhr. Der Rosensaal im Leimener Bürgerhaus füllt sich nach und nach mit einer großen Menschenmenge. Auf die etwa 150 Gäste wartet ein ganz außergewöhnliches und zutiefst berührendes Erlebnis. Sie werden eingeladen auf eine Reise durch Bahaullahs Leben. In Gruppen von 10 bis 15 Personen werden die Besucher von orientalisch gekleideten Fremdenführern nacheinander aus dem Saal geführt, während dort für die zurückgebliebenen Gäste ein wunderbares meditatives Programm geboten wird. Es besteht aus wunderschön vertonten und mit warmer und unter die Haut gehender Stimme vorgetragenen Zitaten und Gedichten zu Gitarrenbegleitung, einer Diashow mit Zitaten und hervorragend präsentierten Klaviervariationen.
Inzwischen gehen die Reisenden die Treppen hinauf und gelangen zu einer Empore, deren Rundgang mit schweren orientalischen Tüchern ausgekleidet ist, die bis zur Decke reichen. Wir betreten eine andere Welt, werden um 180 Jahre zurückversetzt. Im ersten Raum begegnen wir der Mutter Bahaullahs. Sie sitzt schwarz gekleidet, das Gesicht von einem reich verzierten Tuch umrahmt, in einem Schaukelstuhl, neben ihr auf dem kleinen runden Tisch steht eine Öllampe als einzige Beleuchtung. Mit lebhaften Worten berichtet sie von Bahaullahs Kindheit und Jugend und endet mit der Erzählung des Traumes, den Bahaullahs Vater hatte, als dieser noch ein kleines Kind war.
Im nächsten Raum erwartet uns tiefe Dunkelheit. Unser Führer beschreibt die frühen Tagen der Babi-Offenbarung, ihre schrecklichen Verfolgungen und Hinrichtungen und erzählt dann, wie auch Bahaullah gefangen genommen und in das Siyah-Chal geworfen wurde, das schrecklichste Gefängnis Teherans, das »Schwarze Loch«. Solchermaßen vorbereitet betritt unsere Gruppe den nächsten Raum, auf dessen Stirnwand ein großes Bild des Siyah-Chal erscheint. Während der Gesang der Gefangenen ertönt: »God is sufficient unto me«, erfährt der tief bewegte Besucher durch Schriftzüge, die langsam über das Bild wandern, wie es Bahaullah an diesem unbeschreiblich schrecklichen Ort ergangen ist.
Die erste verheißungsvolle Ankündigung Seiner hohen Stufe, die sich ebenfalls dort zutrug, leitet uns über zur schönsten Station dieser einzigartigen Reise, dem Garten Ridvan, in dem Bahaullah Seinen Gefährten und Anhängern gegenüber Seine Stufe als Gottesoffenbarer dieses Zeitalters erklärte. In einem reich mit orientalischen Teppichen, Kissen und Gefäßen ausgestatteten Zelt erwartet uns Nabil, der berühmte Chronist der Bahai-Offenbarung, um uns auf anschauliche Weise die Ereignisse dieser weltbewegenden 12 Tage im Garten Ridvan zu schildern. Währenddessen ist im Hintergrund der unermüdliche Gesang von Nachtigallen zu hören, und in der Mitte des Zeltes lässt ein riesiges Rosenbouquet uns die Atmosphäre von damals erahnen.
Die nächste Station ist Bahaullahs Sendschreiben an die Herrscher und Könige gewidmet, deren Bilder wir dort betrachten können. Königin Viktoria von England ist persönlich anwesend, liest aus dem an sie gerichteten Brief vor und beschreibt ihre damaligen Empfindungen. Eine Landkarte, auf der wir die Verbannungsroute Bahaullahs verfolgen können, führt uns nun zum Ende unserer Reise, nach Akko und Haifa. In dieser fünften Station sehen wir Bilder der Heiligen Stätten und hören Geschichten aus den letzten Lebensjahren Bahaullahs bis zu Seinem Todestag, dem 29. Mai 1892.
Als wir langsam die Treppen zum Hauptsaal wieder hinuntergehen, spricht niemand von uns ein Wort.











