Von der Religiosität der Bahai
zum Ethos der Arbeit
10. November 2006 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 3,973 Aufrufe
Gesellschaft für Bahai-Studien veranstaltet erste Bahai-Studien-Konferenz
Über 140 interessierte Teilnehmer besuchten die erste Bahai-Studien-Konferenz, die von der Gesellschaft für Bahai-Studien am 14. – 15. Oktober 2006 in Langenhain veranstaltet wurde. Schon Wochen vorher musste die Anmeldung aufgrund der großen Nachfrage geschlossen werden.
Vielfältiges Programm mit besonderen Glanzlichtern
Das Programm bot viele ganz besondere Glanzlichter. So war es eine große Ehre, dass Ian Semple, der 42 Jahre als Mitglied des Universalen Hauses der Gerechtigkeit gedient hat, die Bahai-Studien-Konferenz nach einer besinnlichen Andacht mit seinem Vortrag eröffnete. Er sprach über »Die Verfassung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit« und konnte aufgrund seiner langjährigen Mitgliedschaft auf beeindruckende Weise Einblicke in die Struktur, die Arbeit und das Wirken der höchsten Körperschaft der weltweiten Bahai-Gemeinde geben. Frau Dr. Mitra Saffar ermöglichte durch ihre Übersetzung des Vortrages, dass alle Teilnehmer den spannenden Ausführungen von Herrn Semple folgen konnten.
Als weiteren Gast konnten die Veranstalter den Religionspsychologen Dr. Stefan Huber gewinnen, der – gemeinsam mit Dr. Nadi Hofmann — in einer breit angelegten Studie die Religiosität wie auch Werte und Ziele der Bahai untersucht hat. In zwei aufeinander folgenden Vorträgen stellten beide Forscher die Ergebnisse dieser Studie vor. Ein bemerkenswertes Resultat war nicht nur, dass die Bahai im Vergleich zu anderen religiösen Gemeinschaften ihrer Religiosität eine überaus hohe Wichtigkeit beimessen, sondern auch, dass sie in ihren religiösen Inhalten sehr einstimmig antworteten. Was die Werteinstellungen angeht, schnitten die Bahai am höchsten auf der Wertegruppe »Universalismus« ab. Dies umschließt Themen wie die Bemühung um den Weltfrieden, die Umwelt und das Wohlergehen der gesamten Menschheit. Hingegen gaben sie den Werten rund um das Streben nach Macht nur sehr geringe Bedeutung.
Würdigung des Ehrengastes Dr. Udo Schaefer
Zur besonderen Freude der Veranstalter und Teilnehmer gab Ehrengast Dr. Udo Schaefer — unmittelbar vor Erscheinen des ersten Bandes seines Grundlagenwerkes zur Bahai-Ethik – in einem Vortrag Einblicke in seine aktuelle Arbeit zum Thema »Vom Ethos der Arbeit. Ein Beitrag zur Bahai-Ethik«. Er nahm die Zuhörer mit auf eine höchst interessante geschichtlich-philosophische Reise, die bei den alten Römern begann und in der heutigen Zeit endete. Dabei gab er Einblicke in die Ethik des Arbeitens zu den unterschiedlichen Zeitepochen.
Der Höhepunkt des Samstagabends war ein Bankett zu Ehren von Dr. Udo Schaefer, der seit Jahrzehnten fundamentale Beiträge zu den Bahai-Studien leistet. Anlass war sein 80. Geburtstag, den an diesem Abend 80 Freunde mit ihm festlich begingen. Die Laudatio hielt Ian Semple, ein langjähriger Freund von Udo Schaefer, in deutscher Sprache. Die Vertreterin des Nationalen Geistigen Rates, Dr. Nicola Towfigh, würdigte in ihrer Geburtstagsrede neben dem Wirken und den Verdiensten von Dr. Udo Schaefer auch die wichtigen Beiträge und liebevolle Unterstützung seiner Frau Sigrun Schaefer. Der Vorstand der Gesellschaft für Bahai-Studien verlieh in diesem feierlichen Rahmen Dr. Udo Schaefer und seiner Frau die lebenslange Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft.
Von der Würde des Kindes zum Verhältnis zur Moderne
Einem weiteren Thema im breiten Spektrum der Bahai-Studien widmete sich Dr. Karen Reitz-Koncebovski in ihrem Vortrag zur »Würde des Kindes« zu Beginn des zweiten Tages der Konferenz. Sie zeigte auf Basis des vielfältigen Bahai-Schrifttums die wichtigsten Konzepte und ihre Relevanz für die heutige Zeit und lud das Publikum zu interessierten Fragen zum Thema Erziehung ein. »Edelsteine ans Licht bringen« heißt ihr neues Buch zum Thema Kindererziehung aus Bahai-Sicht.
Dr. Nicola Towfigh nahm unter dem Titel »Bahaitum und Moderne« das Verhältnis der Lehre des Bahaitums zu den Konzepten der Moderne in den Blick und entwarf anhand des Bahai-Schrifttums eine Standortbestimmung. Grundlage ihrer Ausführungen war ‘Abdu’l-Bahas Sendschreiben zum Göttlichen Plan.
Einen würdigen und runden Abschluss bot Ian Semple mit einem weiteren vertiefenden Vortrag zum »Hütertum und dem Universalen Haus der Gerechtigkeit« ab. Er schöpfte erneut aus seinem weitreichendem Erfahrungsschatz und vermittelte den Zuhörern die wichtige Bedeutung dieser Instanzen für die Internationale Bahai-Gemeinde.
Die von der Gesellschaft für Bahai-Studien veranstaltete Konferenz bot ein außerordentlich vielfältiges Spektrum an Themenfeldern der Bahai-Studien dar. Zudem nutzten die Teilnehmer die Teepausen zwischen den Vorträgen und die Mittagspause zum anregenden Austausch untereinander in entspannter Atmosphäre. Die Vorträge der Redner dienten als Impulse für alle, die sich mit den Fragen unserer Zeit auseinandersetzen und erste Antworten in dem Reichtum der Bahai-Schriften finden wollen.
Im Rahmen dieser Konferenz stellte die Gesellschaft für Bahai-Studien ihre Ziele und ihre Arbeit vor. Sie koordiniert die Interessen und Belange der Mitglieder im gesamten deutschsprachigen Europa. Ziel ist die Förderung von Bahai-Studien und der gegenseitige Austausch, zu dem alle sehr herzlich ermutigt wurden. Alle an Bahai-Studien Interessierte dürfen sich auf das nächste Bahai-Studien-Seminar in Tambach (17. – 20. Mai 2007) und auf die Bahai-Studien-Konferenz im nächsten Herbst freuen, zu der die GBS sehr herzlich einlädt. Informationen finden Sie unter: www.bahai-studien.de.











