Print This Post  Der nötige Anstoß

26. Oktober 2006 | Beitrag eingestellt von Lisa | Bisher 2,996 Aufrufe

Gebetbuch

Schon oft wurde ich von Freunden über den Sinn und Unsinn des Pflichtgebetes befragt — und selber habe ich auch schon oft darüber nachgedacht, vor allem in der Zeit, als ich die Bahai-Religion kennen lernte.

Ganz abgesehen davon, dass ich es inzwischen als ständigen Begleiter sehr lieb gewonnen habe, hat sich mir in der letzten Woche noch ein ganz anderer „Sinn“ offenbart.

Das Pflichtgebet erinnert mich jeden Tag aufs Neue daran, was mein Leben bedeutet, und hilft mir mich darauf zu besinnen, was mein Platz in dieser Welt ist, und wie ich diesen verantwortungsvoll nutzen kann (auch wenn es an der Umsetzung dieser Erkenntnisse natürlich oft hapert :-) )

Diese Erkenntnisse sind natürlich gerade in schwereren Zeiten besonders wichtig — in Zeiten, in denen man am liebsten im Selbstmitleid versinken würde, und so in seiner eigenen Gedankenwelt verstrickt ist, dass man kaum mehr herauskommt. Und man es auch gar nicht will — ich hatte vor einer Woche so eine Phase, in der ich genau wusste, dass ich, wenn ich denn beten und mich besinnen würde, den Ausweg auch finden würde. Aber irgendwas in mir wehrte sich dagegen, wollte den Ausweg nicht finden, ich fühlte mich einfach ungeistig.

Ich musste mich richtiggehend zum Pflichtgebet zwingen, und schwups — mir wurde klar, wie klein und unbedeutend meine vermeintlich großen Probleme im großen Kontext sind. Das hat sie natürlich nicht weggefegt, aber es half mir meine Bequemlichkeit zu überwinden — mich eben nicht mehr in meiner Traurigkeit zu sonnen, sondern die Sache aktiv anzugehen.

Wenn der Knoten der Bequemlichkeit dann erst mal gelöst ist, lese ich gerne dieses Gebet:

O Gott! Erquicke und erfreue meinen Geist. Läutere mein Herz. Entflamme meine Kraft. Alles lege ich in Deine Hand. Du bist mein Führer und meine Zuflucht. Ich will nicht mehr traurig und bekümmert, sondern glücklich und fröhlich sein. O Gott, Angst soll mich nicht länger plagen und Sorge mich nicht quälen. Ich will nicht bei den Widrigkeiten dieses Lebens verharren.

O Gott! Du meinst es besser mit mir als ich selbst. Ich weihe mich Dir, o Herr.

(Abdul-Baha)

Es ist mir eines der liebsten — vor allem die Zeile „Ich will nicht mehr traurig und bekümmert, sondern glücklich und fröhlich sein“ sagt mir immer deutlich, dass alles in meiner Hand liegt — und dass Gott mich führt und auffängt, wenn ich mich denn nur aufraffe.

Eine Reaktion zu “Der nötige Anstoß”

  1. Maria

    Da ist mir doch heute das eine verborgene Wort in die Hände gefallen, was du sehr gut kennst und hat mich an deinen Text erinnert: “The sword of thy rebellion hath felled the tree of thy hope. At all times I am near unto thee…”
    :)

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