Wohin geht mein Weg?
11. September 2006 | Beitrag eingestellt von Angela | Bisher 2,625 Aufrufe
Zur Zeit schwirrt mir eine Frage durch den Kopf:
“Wohin geht mein Weg?”
Ihr kennt das. Wenn das Leben an einem Wendepunkt steht, geht es innerlich mal wieder ans Eingemachte.
Irgendeiner dieser grossen Fragen klopft hartnäckig an die Tür unseres Bewusstseins, um ihre Beantwortung einzufordern:
Wo möchte ich leben? Welchen Job ausüben? Wie liebe ich und werde geliebt? Welche Freunde tun mir gut? Welche Rolle spiele ich gesellschaftlich? Wie finde ich einen Partner bzw. führe eine gute Beziehung? Welche Werte sollen meinen Alltag bestimmen? Wie erziehe ich meine Kinder? Welchen Sinn hat mein Leben überhaupt?
Statt mich weiter mit solchen Gedanken im Kreis zu drehen, bin ich losgezogen, um Zitate von Bahaullah und Abdul-Baha zu suchen, über die ich meditieren und mit anderen beraten kann. Vor einigen Tagen stachen dann beim Lesen zwei Zitate von Bahaullah heraus, als ob sie sagen wollten: STOP! LIES MICH!
“Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend…”.
”Der ist wirklich ein Mensch, der sich heute dem Dienst am ganzen Menschengeschlecht hingibt…”.
DIENST.
Dieses Prinzip erscheint mir für meine Entscheidungen sehr wichtig. Ein Freund von mir bezeichnet dies durchaus mit Recht als sonderbar: in einer Gesellschaft, in der jeder an sich selbst denkt, nicht an sich selbst zu denken..
Nenne es radikal. Radikal gut!
Es erhebt meine Seele merkbar, wenn ich meine eigenen Wünsche, mein Ego zugunsten der Bedürfnisse anderer Menschen oder einer höheren Sache aufgebe. Wer den Film “Das Glückprinzip” mit Kevin Spacey kennt, weiss was ich meine! Es passiert zugegebenermassen selten, dass ich mich von meinem Willen löse. Aber wenn es mir ansatzweise gelingt, dann fühle ich meinem wahren Element: meiner geistigen Natur, oder auch Seele genannt.
Bahaullah sichert mir zu, dass meine Seele verborgene “Edelsteine von unschätzbarem Wert” besitzt, die mit Hilfe meiner Bemühung ihren Weg ins Tageslicht finden können! Das finde ich absolut ermutigend: jeder von uns besitzt ganz einzigartige Persönlichkeitsstärken, geistige Fähigkeiten oder intellektuelle Begabungen, die die Gesellschaft bereichern können!
Wir sind uns unserer Schätze nur leider oft nicht bewusst und haben Angst oder Misstrauen vor dem, was kommt.
“Ist es daher nicht töricht”, fragt Abdul-Baha berechtigt, “uns zu weigern, diese Schätze dort zu suchen, wo wir sie finden können?”












Am 16. September 2006 um 19:52 Uhr
Du schreibst in Deinem Beitrag, dass es Dir nur selten gelinge, Dich von Deinem Willen zu lösen. Muss man sich tatsächlich von seinem Willen lösen? Ich denke nicht, dass das in den von Dir zitierten Worten von Bahaullah und Abdu’l Baha gemeint ist. Im Gegenteil. Es ist wichtig, einen starken Willen zu haben. Die Frage ist nur, worauf wir diesen ausrichten. In dieser Justierung spielt die Liebe und Fürsorge für andere Menschen eine ganz zentrale Rolle. Der Dienst am Nächsten gehört zu einem sinnerfüllten Leben dazu. Arbeit, die in dieser Grundhaltung verrichtet wird, gilt laut den Bahai-Prinzipien als Gottesdienst, bewirkt also Nähe zu Gott. Je mehr unserer Gaben und Fähigkeiten wir entwickeln und nutzen, desto mehr Freude und Dankbarkeit werden wir dabei erfahren. Denn wahre Freude ist es, einem anderen Menschen helfen zu können (ihm zu dienen) und ihn glücklicher zu machen. Unser Wille sollte uns helfen, das nicht aus dem Blick zu verlieren.