Der kleine-große Bindestrich des Lebens
8. September 2006 | Beitrag eingestellt von Nadi | Bisher 2,246 Aufrufe
Oft habe ich über das folgende Zitat von Bahaullah nachgedacht:
O Sohn des Seins!
Lege jeden Tag Rechenschaft vor dir ab, ehe du zur Rechenschaft gezogen wirst. Denn unangemeldet kommt der Tod, und dann mußt du deine Taten verantworten.
… und bin mir dabei nie schlüssig geworden, ob diese Worte mich eher mit Freude oder mit Sorge erfüllen sollten: Freude darüber, dass ich jeden Tag eine neue Chance habe, mein Leben, meine Haltungen und meine Taten zu verbessern
!!! Oder Sorge darüber, welcher Verantwortung ich nach meinem Tod begegnen muss
???
Ohne je zu einer großartigen Lösung zu kommen, habe ich die weitschweifenden Gedankengänge dann meistens auf das tägliche Sich-Selbst-Evaluieren beschränkt und mir “einfach nur” überlegt, was heute schlechter gelaufen ist und morgen besser laufen könnte. Ganz pragmatisch
!
Doch gestern wurde die geheimnisvolle Kammer in meinem Kopf wieder geöffnet! In unserem Ruhi 1 – Kreis haben wir uns ausführlich darüber augetauscht, welche Einstellung man gegenüber dem Tod — alias: dem Leben danach — haben kann/sollte. Wenn doch das Leben der Seele ewig besteht, ist doch das, was ein gläubiger Mensch Tod nennt, in Wirklichkeit “nur” ein Eintritt in eine andere — von Raum und Zeit auf dieser Erde befreite — Form des Lebens. Also, an sich kein Grund zur Sorge, sondern eher Spannung oder Vorfreude! Außerdem strebt die Seele danach, in die Gegenwart Gottes zurückzukommen, was ja angesichts der liebevollen und gnädigen Kraft unseres Schöpfers eine durchaus angenehme Aussicht ist. Also, theoretisch betrachtet auch kein Grund zur Sorge!
Und doch erfüllt es viele Menschen mit Unbehagen, wenn sie an ihren Tod denken… Aber warum? Weil man so wenig darüber weiß? Weil man Angst vor Schmerzen oder Leid hat? Oder gar, weil man so sehr an diesem Leben hängt? Hm…
Dann bin ich heute auf eine link gestoßen, die mich sehr berührt hat und die ich gerne weiterempfehlen möchte: www.thedashmovie.com (Lautstärke anschalten!)
Dabei geht es um den so wichtigen kleinen oder großen Bindestrich (“dash”), der bei jedem Menschen am Ende seines Lebens auf dem Grabstein steht: Geburtsdatum – Todestag. Was man aus diesem Strich alles machen kann…
Als ich mir diese Präsentation zu Gemüte geführt und nochmal in Ruhe darüber nachgedacht habe, habe ich mich gefragt: Rührt das Unbehagen der Menschen vielleicht daher, dass man sich fragt, ob man über das Leben, was dann zurückliegt, eher stolz oder traurig sein wird? Ist es vielleicht das, was in der Tiefe brodelt???












Am 11. September 2006 um 12:24 Uhr
Liebe Nadi, vielen Dank für deinen wundervollen und tiefsinnigen Beitrag. Vielleicht erfüllt es die Menschen so mit Unbehagen, weil sie vielleicht nicht wissen aber es doch spüren können, dass das Leben nicht aus den Dingen dieser Welt besteht sondern geistig ist und weil sie evtl. ahnen, dass das, woran sie sich klammern nicht das Richtige ist. Vielleicht wissen es auch viele und haben (wie ich) oft nicht den Mut, dies loszulassen.
Eigentlich wollte ich nur sagen, dass dein Artikel mich sehr nachdenklich gemacht hat über das Leben und seinen Sinn. Und auch darüber, wie klein wir doch alle sind und uns dessen oft nicht bewusst werden.