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3. August 2006 | Beitrag eingestellt von Katharina | Bisher 4,073 Aufrufe

Shamim RafatBahai-Studien-Seminar 2006 in Tambach

Bereits zum fünften Mal fand vom 15. bis 18. Juni 2006 im Tambach Seminar-Centrum das Bahai-Studien-Seminar zur Förderung der Bahai-Studien statt. Die Organisatoren konnten trotz Fußball-Weltmeisterschaft etwa 60 interessierte Gäste begrüßen, denen ein abwechslungsreiches, aus Vorträgen und Workshops bestehendes Programm geboten wurde. So war es Dr. Nadi Hofmann, Pajam Sobhani und Shamim Rafat gelungen, Dr. Moojan Momen, einen herausragenden Bahai-Gelehrten aus Großbritannien, als Hauptredner zu gewinnen. Die Auswahl der Themen spiegelte die Hauptziele der Gesellschaft für Bahai-Studien (GBS) wieder: Grundlagenforschung einerseits und Korrelation der Bahai-Lehre mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen dieser Zeit andererseits.

Den Auftakt des Seminars bildete am Abend des Anreisetages ein stimmungsvoller Film einer Pilgerreise zum Haus des Bab in Shiraz. Beeindruckende Bilder versetzten die Betrachter in die Zeit des Bab und gaben einen Eindruck von diesem heute leider zerstörten Heiligtum.

Dr. Moojan MomenDie Vorträge von Dr. Momen zeichneten sich dadurch aus, dem Zuhörer neue Perspektiven auf Fragestellungen und zu Themen zu eröffnen, die man gut zu kennen glaubte. Besonders der Vortrag zum Fundamentalismus führte eine klug differenzierende Interpretation des Begriffs „Fundamentalismus“ ein, welche die Unsachlichkeit der Verwendung dieses Begriffs — vor allem in den Medien — deutlich werden ließ. In seinem Vortrag zu Macht in der Bahai-Gemeinde stellte Dr. Momen die These auf, eine der Innovationen der Bahai-Gemeindeordnung sei, dass das Streben nach Macht nie mit Macht belohnt werde, und belegte diese eindrucksvoll mit dem Paradigmenwechsel weg von der Macht, hin zum Dienst. Weitere Vorträge von Dr. Momen befassten sich mit der Methodik der Bahai-Studien und dem Bahaitum und dem Buddhismus.

Einen praktischen „Fall“ von Bahai-Studien stellte Dr. Anis S. Towfigh vor, der in seinem Vortrag „Das Bahai-Schrifttum zur Medizin“ über den Inhalt seiner Dissertation referierte, welche er in der Geschichte der Medizin geschrieben hat. Er näherte sich der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Wissenschaft aus ganz neuer Richtung, indem er das Zusammenspiel von Religion und Medizin als spezieller Ausprägung dieses Prinzips beleuchtete.

PlenumDer Vortrag von Dr. Armin Eschraghi zur Rolle der Bahai in der Auseinandersetzung mit dem Islam gab eine Reihe von Denkanstößen für den eigenen Umgang mit diesem komplexen und schwierigen Thema und bot zahlreiche sehr differenzierte Ansatzpunkte, das eigene Verständnis zu vertiefen und eine eigene Richtschnur für das Handeln zu gewinnen.
Dies gelang ebenfalls Shamim Rafat in seinem Vortrag zu Bahai und Politik. Insbesondere für den Bereich der Parlamentswahlen zeigte er auf, welche Verpflichtungen und Einschränkungen sich für Bahai ergeben können und wie man sich als politisch Interessierter dennoch einbringen kann.

Sasha Dehghanis Vortrag zum Kitab-i-Aqdas: Grundlage einer neuen Ordnung zeigte anhand zahlreicher Textstellen, welche neuen Ordnungsprinzipien der Kitab-i-Aqdas einführt.
Ermutigt, sich mit Bahai-Studien auch im Rahmen der universitären Ausbildung zu befassen, wurden die Teilnehmer zum Abschluss von Dr. Emanuel Towfigh, der über den Werdegang seines Promotionsvorhabens zur rechtlichen Verfassung von Religionsgemeinschaften berichtete, welches sich schwerpunktmäßig mit der inneren Organisation der Bahai-Gemeinde befasste.

Auch die angebotenen Workshops boten vielfältige Möglichkeiten, sich mit Bahai-Studien auseinanderzusetzen. Eine Gruppe befasste sich gemeinsam mit Miriam Amin mit der Fragestellung Feminismus und/oder Gleichwertigkeit von Mann und Frau?, Dr. Bernado Fritzsche leitete einen Workshop zum Bahai-„Durst“fasten aus medizinischer Sicht und ein dritter Workshop befasste sich unter Leitung von Dr. Anis S. Towfigh mit Fragen der Einstellung des Bahaitums zur Empfängnisverhütung.

Diese eher praktischen Workshops wurden am zweiten Tag des Seminars ergänzt durch Workshops, welche eher theoretischen Charakter hatten: Dr. Armin Eschraghi leitete eine Gruppe im systematischen Studium des Tablets an Ahmad an, eine weitere Gruppe unter der Anleitung von Shamsi Dehghani befasste sich mit Shoghi Effendis Vision für die Bahai-Gemeinde und Neysan Rafat leitete einen Workshop zum Verhältnis von Hütertum und Universalem Haus der Gerechtigkeit.

Vahid Khadem-MissaghZwischen den Vorträgen und in den Abendstunden gab es nach Abschluss des Programms ausreichend Gelegenheit bei Erfrischungen und Knabbereien Gedankengänge weiterzuverfolgen, Diskussionen fortzusetzen, sich mit anderen Teilnehmern über die Vorträge und Workshops des Tages auszutauschen — oder zur Erholung einfach in fröhlicher Runde zu spielen.

Einmal mehr ermöglichte das Seminar es den Teilnehmern, einen breit angelegten Eindruck von Bahai-Studien und den vielfältigen Möglichkeiten, sich diesen zu widmen, zu gewinnen. Allen an Bahai-Studien Interessierten kann nur wärmstens empfohlen werden, im nächsten Jahr an diesem Seminar teilzunehmen, welches vom 17. bis 20. Mai 2007 im Tambach Seminar-Centrum stattfinden wird.

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