Katholische Reli-Lehrerin (fast) schon immer Bahai
7. Juli 2006 | Beitrag eingestellt von Renate | Bisher 2,876 Aufrufe
Ja! – in meinem Herzen war ich Bahai, bevor ich von dieser neuen Religion hörte.
Den Absolutheitsanspruch, den Herrschaftsanspruch … der katholischen Amtskirche verstand ich noch nie. Wie oft musste sich Gott von mir anhören: „Du bist gerecht aber weshalb sendest Du „nur“ Jesus?“
Meine Toleranz anderen Religionen gegenüber hielt sich in Grenzen. Eigentlich war mir Religion egal. Als gebürtige, allgäuerische Urbayerin „genoss“ ich eine sehr strenge, ungerechte Erziehung, in der alle/s „Fremde“, alles „neue Unbekannte“, alle „anders denkenden Menschen“ nicht in das (Familien- u. Dorf-) Leben miteinbezogen wurden. Es galt bayerisch und katholisch zu denken und zu sein. So wuchs ich auf und tat mir mit diesem Leben irgendwie schwer. Ich fühlte mich, in dem kleinen Dorf, als nicht zugehörig. 1987 zog ich ohne Wehmut ins allgäuerische Baden Württemberg und über andere Religionen machte ich mir keine Gedanken, aber über Gott.
Im September 2005 wusste ich noch überhaupt nichts von dieser Bahai-Religion, sie war mir bis dato gänzlich unbekannt.
Und am 04.05.06 schickte ich meine Karte nach Hofheim ab. Am 04.05. ergibt zusammen gezählt „NEUN!“, und am „NEUN“ten.05. erhielt ich mein Willkommensgeschenkt aus Hofheim. Meine Hausnummer ist ebenfalls die „NEUN“. Ich liebe Zahlen-Mystik! Beim Abschicken der Karte sah ich nicht auf das Datum. Eine liebe Freundin wies mich auf die Zahl „NEUN“ hin. Und Gott geht darauf ein, denn in mystischen Zahlen erkenne ich seine Zustimmung. Und die Zahl „NEUN!“ bedeutete für mich die höchste Zustimmung, dass mein Tun seinen Wünschen und Vorstellungen für mich, voll und ganz, entspricht.
Doch was geschah vor dem 04. Mai 2006? Weshalb wurde ich – eine kath. Religions-Lehrerin – relativ schnell Bahai? Unser lieber, guter, wunderbarer, wunderschöner … Gott ist ja Gott der Liebe ist. Nicht weniger aber immer noch mehr an Liebe was sich je ein Mensch in seiner höchsten, schönsten Liebe vorstellen, erleben und erfahren kann.
Gott sieht tiefer in mein Herz, als ich es jemals wahrnehmen kann. So sah er meinen tief gelegten Wunsch, von Ihm erzählen zu wollen und meine Liebe zu den Schwachen – den Kindern. So begann ich im Januar 2001 (ich war seit ein paar Wochen 41) ein kath. Theologie-Studium, mit dem Ziel der Religionspädagogik um Kindern und Jugendlichen von Gott erzählen zu dürfen. Ich fühlte mich von Gott wunderbar geführt und legte los.
Nur blieben immer noch Fragen unbeantwortet: Weshalb „nur“ Jesus? – Unsere Zeit ist (eigentlich) nicht lebenswert, weil …. aber weshalb sendest Du Jesus nicht wieder? Es wäre doch an der Zeit!
Im Studium musste ich (unter anderem) lernen „SAKRAMENTE, DIE ZUM CHRISTSEIN BEFÄHIGEN“ und „DAS KIRCHLICHE AMT“. Beim Thema Sakramente fühlte ich mich innerlich zerrissen, ja wirklich wie vergewaltigt. „Um Gottes-Willen, ich kann das nicht lernen, das hat mit Gott und den Glauben an ihn kaum etwas zu tun, und biblisch ist vieles nicht nach vollziehbar!“, schrie es in mir. Es kam noch schlimmer! Ich musste mit diesem Thema in die erste mündliche Prüfung. In mir sträubte sich alles, dieses Thema zu lernen, ich konnte nicht. Somit erhielt ich meine schlechteste Note im gesamten Theo.-Studium, eine 3,7!
Monate später das Thema „Das kirchliche Amt!“ Mir erging es wie beim Thema „Sakramente …“. Für mich wurde Jesu Frohbotschaft beschnitten. Ich zog Parallelen zum Pharisäertum. Aber um weiter zu kommen, ich wollte mein Ziel – Religionslehrerin – erreichen, biss ich in den sauren Apfel und hoffte inständig, dieses Thema NICHT für eine Prüfung lernen zu müssen. Und Gott-sei-Dank diesmal hatte ich Glück! Es kam nicht dran. Insgesamt erhielt ich in Prüfungen/Klausuren, deren Inhalt biblische Themen waren, gute Noten. Bei, von Menschen gemachten, katholischen Themen schnitt ich befriedigend ab. Innerlich zog ich mich von der kath. Kirche zurück, der Grund war: Ich wusste einfach zuviel! Herr Drewermann’s Satz „Diese Kirche hat Gott nicht gewollt!“ brannte sich in mich hinein. Aber es gab für mich keine Alternative. Und mir stand, Gott-sei-Dank, noch das Schönste bevor: Die Kinder zu unterrichten. Also ging es mit Religionspädagogik weiter und darauf freute ich mich.
Ich liebte die Arbeit mit meinen SchülerInnen sehr, zumal ich es nicht als Arbeit empfand. Und nun kleine Geschichten die sich so zugetragen haben.
Phillip ist das Sorgenkind der 4. Klasse. Wir sitzen alle im Sitzkreis und Phillip sitzt rechts neben mir. Da beginnt er plötzlich versonnen zu sprechen: „Jetz woiß i was Jesus sei Macht isch. Jesus sei Macht isch, dass er d’Mänsche lieb macht!“ (Jetzt weiß ich, was Jesus seine Macht ist. Jesus seine Macht ist, dass er die Menschen lieb macht!) Mein kleiner Zappel-Phillip hat verstanden – Jesus bringt Liebe! Er hat in seinem Herzen Gottes Frohbotschaft vom Reich Gottes gespürt. Ist das nicht „Wunder“-bar?! Ja! – und nochmals Ja, das ist „Wunder“-bar!
In dieser Klasse nehme ich die Noach-Geschichte durch. Ich erkläre den Kindern: „Gott schenkte Noach die Arche um ihn darin zu beschützen. Auch schenkt Gott ‚uns’ eine Arche. Das ist ein Platz an dem wir uns geborgen und wohl fühlen. Überlegt euch mal, wo euer von Gott geschenkter Platz ist, wo eure Arche ist!“
Dazu falteten die Kinder ein braunes Papierschiffchen, auf das sie ‚ihren’ persönlichen von Gott geschenkten Platz/Ort der Entspannung und des wohlfühlens, der Ruhe, der Geborgenheit schrieben. Es meldet sich Ralf, ein Bauernsohn. „Frau Kolb, däef i au schreibe, dass mei Blatz bei de Kieh im Schdall isch?“ (Frau Kolb, darf ich auch schreiben, dass mein Platz bei den Kühen im Stall ist?) So, und was antwortet jeder gute kath. Reli-Lehrer? Natürlich muss die Antwort „nein“ lauten! Denn im Stall ist wahrlich nicht der geeignete spirituelle, geistige Ort an dem man sich von Gott geborgen fühlt. Doch woher sollte ‚ich’ wissen, wo Gott Ralf begegnet? Und wenn Gott Ralf im Stall begegnet, dann soll er das auf seine von Gott geschenkte Arche schreiben. – Und Ralf freute sich und schrieb los. (Kein Kind schrieb Gottesdienst, Kirche o.ä)
Zweite Klasse:
Ich sage der ganzen Klasse: „Gott liebt ALLE Menschen!“ Die schüchterne Isis meldet sich: „Frau Kolb, ich bin nicht getauft!“ Noch ein Mädchen meldet sich: „Frau Kolb, ich bin evangelisch!“ So, nun ist guter Rat teuer und da Gott mich in diese Klasse schickte, muss Er mir helfen! Denn ich fühlte mich kurz ohnmächtig – und Gott half. Nach der Frage, ob sie den an Gott glauben, die sie mit „Ja“ beantworteten, erklärte ich ein Beispiel: Dazu brachte ich den Vergleich mit Fußball. Viele mögen Fußball und entscheiden sich für einen Verein. Und sie (Isis und das andere Mädchen) mögen/glauben an Gott, haben sich aber noch nicht für einen Verein entschieden oder glauben einfach an Gott, sind aber in einem anderen Verein. Und die Mädchen fühlten sich sichtlich beruhigt, erleichtert und zufrieden.
Ja! Das ist eben kein typischer katholischer Religionsunterricht. Mein Herz gehört Gott, aber nicht der kath. Kirche. Und tief aus dem Herzen heraus unterrichtete ich die SchülerInnen (fast) als Bahai.
Im Juni und Juli (05) stehen die letzten Prüfungen an. Für eine kirchl. Anstellung benötige ich einen Durchschnitt von 2,5. Bedenken, dies nicht zu erreichen hatte ich keine, zumal die SchülerInnen mich tatkräftig unterstützen wollten. Einem befreundeten Religionslehrer legte ich meine Prüfungsstunden vor. Er fand sie sehr, sehr gut und rechnete mit mindestens jeweils einer Zwei. Prüfung: In der 7. Klasse Hauptschule gaben die SchülerInnen wirklich alles und mir unterlief, leider, „ein“ Patzer. Und dann der Schock: Ich bestand mit schlechter als 2,5! Nach 20 min. Prüfungs-Unterricht in der 4. Klasse fühlte ich: „Auch diesmal werde ich mein Ziel nicht erreichen (dürfen?)“ Ich war am Boden, denn mein Gefühl bewahrheitete sich. Aber – freundlich wurde mir zur bestanden Prüfung, von meinem Prüfer, gratuliert. Alle Religions-Pädagogen denen ich, danach, meine Prüfungsstunden mit den ausgearbeiteten Sachanalysen vorlegte, konnten mir die Noten NICHT bestätigen! Was war geschehen? Was tat ich falsches? Ich habe eine mystische Ader (Erfahrungen) und baute oft genug Mystik in den Unterricht mit ein. War es (meine) nicht verstandene Mystik? War mein Pech, dass ich bald eine geschiedene Frau bin? (Mein Mann trennte sich im April 2004 von mir.) War es weil ich den SchülerInnen sagte: „Gott liebt ALLE Menschen!“ Damit drückte ich implizit aus: „… und nicht nur die Katholischen.“ War mein Pech, weil ich mich als Lehrerin nicht auf eine höhere Stufe stellte als die SchülerInnen? (Dies schrieb ich regelmäßig in meine schriftlichen Sachanalysen – Gleichwertigkeit!) Was war es? Mit diesen Noten durfte ich in Zukunft NIE und nirgends unterrichten. Eine ganze Klasse wollte dagegen protestieren, selbst Kolleginnen und Eltern. Ich verneinte! Protestieren in der kath. Kirche!?!?!? Mein Traum war zerplatzt wie eine Seifenblase. Ich verlor den Halt unter den Füßen und wurde krank.
Heute weiß ich, es musste so sein! Ich wäre nicht verzweifelt genug gewesen (Sept. 2005) im Internet nach gläubigen, mystischen Menschen zu suchen, die wie ich sagen: „Gott liebt ALLE Menschen, egal welcher Religionszugehörigkeit!“
Und dann lese ich auf einer Internetseite genau das was meinen mystischen Erfahrungen entspricht. Der Autor sprach mir aus dem Herzen. Mein Herz machte einen riesigen Freudensprung! Meine Freude kannte keine Grenzen! Per eMail nahm ich mit ihm Kontakt auf u. er schrieb zurück. Jedoch stellte ich bald ernüchternd fest: Was dieser Mann mir schreibt klingt wie „Bahnhof“! Ich verstand nichts mehr! Ich gestehe, zwischendurch hatte ich Bedenken, in was für einer Sekte ich da gelandet bin! Er schrieb von „Offenbarer“ und „Bahai“?! Aber Gott gab nicht auf, Er wäre ja sonst nicht Gott! Gott wollte, dass ich die Frau dieses Mannes kennen lerne – und sie verstand ich. Sie sprach meine Herzenssprache! Sie gab mir Antworten auf meine Fragen. Ich glaubte an Gott, verstand mich aber nicht als Christin. Und ich freute mich, als ich von ihr hörte: „Jesus ist nicht Gottes-Sohn!“ und „alle Religionen sind von Gott!“ usw.
Gott erfüllte mir den tiefen Wunsch nach einem heute gesandten Jesus.
Gott erfüllte mir den Wunsch nach einer Religion, in der ich Frau sein darf.
Gott erfüllte mir den Wunsch nach einer Religion, in der es keine von Menschen gemachte Hierarchie gibt.
Gott erfüllte mir den Wunsch nach: Alle Religionen haben ihre Berechtigung.
Und ich hatte doch Recht! – Gott liebt „ALLE“ Menschen! Juhu!!!! Und nun kann ich ALLEN erzählen: Gott ist wunderbar! Gott ist Liebe (1Joh 4,16b) – Denn, in meinem Herzen war ich schon länger (katholische) Bahai. Seit ich Bahá’i bin, kann ich die kath. Amtskirche gelassener sehen.
Ich ärgere mich nicht mehr darüber, dass „Heilige“ heiliger sein sollen als ich (heilig, gr. hagios, lat. sanctus – zum Göttlichen gehörig)
Ich ärgere mich nicht mehr darüber, dass ich als Frau keine Chance habe Priesterin zu werden.
Ich ärgere mich nicht mehr darüber, dass ich aufpassen muss was ich sagen darf und nicht, weil es sein könnte, ich bekomme eines auf den meinigen kath. Deckel.
Ich ärgere mich nicht mehr darüber, dass die kath. Kirche sich über alle anderen Kirchen und Religionen erhebt. (Wer hoch oben ist fällt auch tiefer. Die Bodenständigen kippen höchsten nur um dann schmerzt der Fall auch nicht so, vielleicht ist nur ein „Autsch“ : zu hören.)
Ich ärgere mich nicht mehr darüber, dass viele kirchl. Amtsinhaber (die Höheren!) in ihrem großen Mercedes an Hungernden, Armen, Bettlern … vorbei gefahren WERDEN. (Wobei sie sich doch verpflichtet haben, keusch, arm!!! und gehorsam zu leben. Oder haben sie keinen Führerschein?
)
Ich ärgere mich nicht mehr darüber …
Heute bedauere ich sehr, dass Jesus namentlich und äußerlich „angepasst“ wurde. Wäre man(n) bei der biblischen Geschichte geblieben, würde man(n) Jesus hebräisch aussprechen, nämlich Jeshua. Und man(n) hätte Jeshua sein ursprüngliches, jüdisches Äußeres gelassen. Wer weiß, vielleicht hätten mehr Christinnen und Christen, weniger Berührungsängste mit den persischen … Namen und Gesichtern.
Noch etwas zu meiner Zahlenmystik: Ich wurde an einem 18. geboren, also gleich 2 x NEUN. An einem 18. wurde ich operiert und konnte weiterleben – wieder 2 x NEUN! Mein Sohn wurde an einem NEUNZEHNten geboren, wieder eine heilige Zahl. Meine Tochter ist Jahrgang NEUNzig! Ist das nicht alles „Wunder“-bar?! Die richtige Antwort kann nur „Ja“ sein – denkt ihr nicht auch?! Somit bekommt ihr von mir alle eine glatte EINS mit Stern! Oder habt ihr vergessen, dass ich Reli.-Lehrerin bin?
In der kurzen, intensiven Zeit mit meinen SchülerInnen lernte ich etwas sehr wichtiges: Meine SchülerInnen waren meine besten Mentoren – sie waren die besten Lehrer!
(Bitte mit einem Schmunzeln lesen) Vielleicht schenkt mir Gott (endlich!
mehr Wissen, wie man (in dem Fall ICH) besser mit Zeichensetzung umgeht. (Ich steh nämlich mit diesen Dingern, wie Punkten, Doppelpunkten, Strichen, Geschnörkel usw. auf Kriegsfuß, bitte verzeiht.)
Herzlichen Dank an alle die durchhielten und hier unten angelangt sind.
Liebe Grüße von Ihrer kath. Religions-Lehrerin, die den Weg nach vorne ging weil sie nicht anders konnte, da Gott sich als sehr hartnäckig erwies. Denn Gott ist Gott der Liebe und Gott kann nicht anders als einfach, zweifach, dreifach … einfach zu lieben. Und wenn Gott den Weg in das Herz findet, dann bleibt Gott auch da wohnen! Gott-sei-Dank!
(Psst – unter uns gesagt: Einen besseren Untermieter kann niemand finden! Denn Gott ist nur hilfsbereit und voller Liebe! Das dürfen Sie bedenkenlos weitersagen
)
liebe Grüße
Renate Kolb












Am 18. Juli 2006 um 19:33 Uhr
Liebe Renate,
es ist ein großes Geschenk diesen von Liebe sprühenden Bericht zu lesen. Wie Gott die Herzen der Menschen bewegt und lenkt, die Erlebnisse zu Puzzlesteinen im Leben werden läßt und schließlich Begegnungen schafft, die úns auffordern, Puzzlestein um Puzzlestein zusammenzufügen, um eine klare Vision zu haben. Es ist so ermutigend und erfrischend für mich, zu erfahren wie lebendig das Leben durch Bahá’u'lláh wird und welche Ehre es ist Bahái zu sein – oder werden zu dürfen. Zutritt zu haben zu dem größten Ereignis dieses Planeten, der geistigen Wandlung des Einzelnen beizuwohnen – einfach wunderbar. Danke!!!
Am 11. Mai 2008 um 23:14 Uhr
Am 04.05.06 schickte ich meine “Erklärung” nach Hofheim. Nun sind zwei Jahre vergangen, und es gab keinen Augenblick, in dem ich mir ein Leben ohne die Bahá’i-Religion vorstellen könnte.
“Sage niemals nie!” – ist vielen bekannt, und doch möchte ich einen Satz formulieren, mit dem Wörtchen “nie”: “Ich möchte ‘nie’ mehr ein anderes Leben leben, als Bahá’i Sein.
Renate