Mein Jahr des Dienstes
26. Juni 2006 | Beitrag eingestellt von Maria H | Bisher 1,245 Aufrufe
Da die Kategorie “Jahr des Dienstes” noch so traurig leer ist, habe ich mich einfach mal entschlossen ein bißchen von meinem JDD zu berichten…
Ich hatte das Glück im perfekten Alter von 17 Jahren Bahai zu werden, ich hatte also noch ein Jahr bis zum Abi und (wie so viele) keine Ahnung, was ich danach mit meinem Leben anfangen wollte, sowie viel Energie und Begeisterung für den Bahai Glauben, die genutzt werden wollte. Nach einiger Beratung stand dann fest, dass meine beste Freundin und ich (wir waren zusammen Bahai geworden) erstmal für 3 Monate nach Polen gehen würden um die dortige Gemeinde zu unterstützen. Der Abschied fiel schwer, da wir beide aus eingefleischten Mecklenburger-Familien stammten, von denen die Verwegensten maximal 150 km von ihrem Geburtsort entfernt wohnten.
Wir zogen also in das geräumige Haus einer amerikanischen Bahai, die seit einigen Jahren in Cieszyn (einer mittelgroßen Kleinstadt genau auf der Grenze- die Stadt ist also halb polnisch/halb tschechisch, was sich während der Maul-und-Klauen-Seuche als sehr interessant erwies, da wir manchmal mehrmals am Tag die Grenze überqueren mussten) wohnte. “Mama Joy” nahm uns dann auch gleich unter ihre Fittiche und begleitete uns durch unsere “Bahai-Pubertät”
(Wir waren ja erst ein Jahr Bahai).
Von all unseren Aktivitäten zu berichten, würde den Rahmen sprengen, daher nur eine Kurzfassung… Nachdem wir uns ein wenig eingelebt (und erste Ausspracheversuche der polnischen Sprache absolviert) hatten, halfen wir zunächst bei den Aktivitäten der kleinen Bahai Gemeinde (5-6 Bahai)- wir hatten z.T. 4-sprachige Ruhi Studienkreise (Joy als Tutorin konnte nur Englisch, so dass wir das Ganze für einen über 70-jährigen polnischen Freund auf Deutsch übersetzten, der es dann wieder auf Polnisch an die anderen Teilnehmer weiterleitete, und manchmal gesellten sich auch tschechische Freunde dazu), Andachten, Kinderfeste, Einigkeitsfeste, Feiertage,… Dienstag nachmittags verbrachten wir immer in einem nahen Kinderheim, wo wir von ca. 40 polnisch-sprechenden Kindern und Jugendlichen für mehrere Stunden in Beschlag genommen wurden und am Abend dann erschlagen von all den Liebesbeweisen und emotional etwas mitgenommen von den mangelhaften Bedingungen in dem Heim ins Bett sanken.
Unsere Hauptaufgabe wurde dann allerdings die Organisation eines internationalen Tanzprojektes und der Aufbau eines lokalen Tanzworkshops zu sozialen Themen (Rassismus, Drogenmissbrauch, Gewalt in der Familie, Armut,…). Wir bekamen dazu Unterstützung von einer weiteren deutschen Jugendlichen und einem irischen Freund. Es war auch gut, dass wir nun zu viert waren (inzwischen hatte sich unser Aufenthalt auch um 3 weitere Monate verlängert), denn bei dem ersten Workshoptreffen kamen etwa 100 polnische Jugendliche im Alter zwischen 12-18 Jahren. Etwa 40 blieben dann dabei und bildeten die Tanztheatergruppe “Move together”. Wir trainierten 3 mal/Woche und konnten schon bald Auftritte an Schulen und sogar in Kraków veranstalten. Die Älteren halfen uns beim Training mit Übersetzungen, so dass wir auch über die Themen der Tänze sprechen konnten.
Wir verbrachten auch viel Zeit außerhalb des Trainings mit den Jugendlichen- Schneeballschlachten bei 1m-hohem Schnee, Musik-Parties bei uns zu Hause mit Spielen, Tänzen und Gesängen (die Kommunikation war ja auch nicht immer einfach), wir wurden mit in den Deutsch und Englisch-Unterricht genommen, usw.
Der Abschied fiel uns sehr schwer, die Kids von “Move together” veranstalteten eine rührende Abschiedparty für uns, wir bekamen T-Shirts mit allen Unterschriften, Briefe, Fotos, Plüschtiere und Tanzaufführungen.
Es gibt eigentlich noch so viel zu berichten, aber es soll auch nicht zu lang werden.
Meine beste Freundin und ich gingen dann noch für einige Monate nach Dänemark, aber das ist auch wieder ein langes Kapitel…
Daher kurz zusammengefasst: ein Jahr seines Lebens vor allem dem Dienst am Glauben und an der Menschheit zu widmen ist wirklich der beste Dienst an einem selbst, den man machen kann. Ich habe in diesem einem Jahr so viel über mich selbst und die Welt gelernt, habe tiefe Freundschaften genossen, die zum großen Teil bis heute andauern und zehre von Erinnerungen, die unbezahlbar sind. Es gibt durchaus Herausforderungen, aber es lohnt sich ungemein und ich bin glücklich, dass ich die Möglichkeit dazu hatte!











