Print This Post  Tagein, tagaus das Pflichtgebet…

29. März 2006 | Beitrag eingestellt von Nadi | Bisher 2,796 Aufrufe

:-)Nun sage ich mein Pflichtgebet, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr, schon seit ich 15 Jahre alt bin. Auch davor habe ich es ab und zu gesagt (obwohl es erst ab 15 „Pflicht“ ist) und habe mich dabei eigentümlich „erwachsen“ gefühlt. Irgendwie verbindet es mich täglich mit meinem Schöpfer, immer wieder, jeden Tag.

Ich erinnere mich daran als ich noch klein war… vielleicht drei, vier oder fünf Jahre, in dem Alter, wo der eigene Großvater einem wie ein halber Gott erscheint. Oft verbrachten wir in den Ferien einige Wochen bei meinen Großeltern. Das schönste an diesen Besuchen war die früheste Morgenstunde, in der ich als einzige der Familie im Bett liegend mit hellwachen Ohren darauf wartete, das Schlürfen der Hausschuhe meines Opas im Flur zu hören. Er war wach!! Und auf direktem Wege ins Wohnzimmer, um dort in aller Ruhe sein Pflichtgebet zu sprechen. Ich schlich ihm hinterher, kauerte mich in die Ecke und schaute ihm zu wie er leise die Worte Baha’u’llahs murmelte und dazu die vorgegebenen Bewegungen durchführte. Da war eine Ruhe, ein Frieden, ein Strahlen um ihn, als wäre er in Licht getaucht – immer in diesen frühen Minuten des Morgens. Und als er fertig war, rief er mich leise zu sich und betete mit mir zusammen.

Und immer wieder frage ich mich, was hat es mit mir getan? Diese Worte, die man täglich wiederholt über viele, viele Jahre. Manchmal war ich dabei so müde, dass ich am Ende gar nicht wusste, was ich eigentlich gesprochen hatte; manch anderes mal ließ mich jeder Satz aufs neue erkennen, wer ich ganz tief in mir drin wirklich bin. Doch egal, ob müde oder wach, konzentriert oder abgelenkt, glücklich oder traurig, es ist mein täglicher Begleiter geworden, der auf keinen Fall fehlen darf und ohne den ich am Abend sonst nicht einschlafen kann. Vielleicht ist es das, was es mit mir getan hat – ein engst verknotetes Band zu knüpfen, das mich immer wieder daran erinnert, dass ich in Wirklichkeit nur ein kleines Geschöpf Gottes bin, tagein, tagaus.

4 Reaktionen zu “Tagein, tagaus das Pflichtgebet…”

  1. Emanuel

    Liebe Nadi,

    vielen Dank für Deine persönlichen Eindrücke über’s Pflichtgebet. Irgendwie macht mich das fast ein wenig neidisch, weil ich — ohne hier eine öffentliche Beichte absolvieren zu wollen! — doch sagen muss, dass mir das regelmäßige Sagen des Pflichtgebets sehr schwer fällt, und dass ich leider Erlebnisse und Eindrücke wie das Deine nicht habe. Aber ich hoffe nach wie vor auf weitere “Entwicklung”… ;-)

    Cheers,
    e.

  2. ruha

    Nadi joon,

    what a cute picture!!! I am loving it, keep them coming!!!

  3. Maria

    Das ist eine wunderschöne Geschichte, die mit so viel Liebe und Herzlichkeit erzählt ist.
    Ich wünschte, ich hätte auch ein solch großes Bewusstsein für die Wichtigkeit des Pflichtgebets. Zwar ist es in den Schriften immer wieder hervorgehoben, aber „Bewusstsein“ unterscheidet sich ja eben erheblich von „Wissen“.

  4. Dominik

    Liebe Nadi,
    vielen lieben Dank für deine Einblicke zum Pflichtgebet. Ich habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht, wenn ich auch keinen Grossvater hatte, der Bahai war. Doch dass man manchmal das Pflichtgebet spricht wenn man müde ist und dann auch manches mal tief in die Worte Bahá’u'lláhs eintauchen kann, das habe ich ebenfalls erfahren.
    Manches Mal geht es mir auch wie Emanuel, dass es mir schwerfällt das Pflichtgebet zu verrichten, wohl aus verschiedenen Gründen. Aber dass bewusstes Erleben nicht vom Wissen abhängt glaube ich auch. Zum Glück ist es so.

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