Ein Bericht aus der Fastenzeit
9. März 2006 | Beitrag eingestellt von Shila | Bisher 2,665 Aufrufe
In zwanzig Minuten…..
…..werde ich einen Cafe Latte trinken, eine Portion Butter Chicken beim Inder holen, drei Liter Wasser und dann noch einen Cappucino trinken. Bis dahin werde ich diesen Artikel geschrieben haben und abspeichern. In zwanzig Minuten ist “ES” vorbei, ich werde keinen Hunger haben. Und das war es?
Abdu’l-Bahá erklärt, dass Fasten „ein Sinnbild von Gelüsten und eine Mahnung an diese“ ist. „Das heißt, wie sich jemand von Gaumenreizen enthält, soll er sich von Selbstsucht und selbstischen Begierden enthalten.“ Ein Sinnbild verleiht einem Wert, einem Prinzip oder Gedanken eine körperliche Hülle und hat dann einen hohen symbolischen Wert. So wird als Sinnbild der Hoffung der Anker, für den Frieden dient der Ölzweig als Allegorie. Für sich genommen sind es einfache körperliche Gegenstände, die vergehen und in verschiedenen Erscheinungen auftreten. Aus sich heraus können sie weder Hoffnung noch Frieden schaffen.
So sagt auch Abdu’l-Bahá in Bezug auf das Fasten, dass die „bloße Enthaltung von Speise keinen Einfluss auf den Geist“ hat. Die Fastenzeit dient in den Religionen seit jeher der geistigen Einkehr, des Zurückbesinnens, der geistigen Erneuerung. Wir wollen uns selbst daran erinnern, dass alle angeblich wichtigen Behaglichkeiten des Lebens, alle Gewohnheiten und vermeintliche „Ich-kann-nicht-ohne-meinen-….“ unser Leben nicht zu bestimmen haben. Es ist ein Befreiungsschlag! Wir von nichts anderem, als von Gott abhängig und nur danach muss unser Leben ausgerichtet sein.
Deshalb halte ich nun inne – es bleiben noch weniger als zehn Minuten. Ich atme ein und aus, versuche den Moment einzufangen und sage mir: „Das ist es!“ Es ist nicht der Hunger, das frühe Aufstehen. Es ist auch nicht die atemberaubende Schönheit des Sonnenaufgangs, die mich Morgen für Morgen fasziniert und in Staunen versetzt. Es ist nicht das abenteuerliche Gefühl, im Rhythmus der Natur zu leben und den Tag nach der Sonne zu richten. Bahaullah schreibt in seinem Fastengebet, dass er in der Fastenzeit “jede Stunde mit einer besonderen Wirkkraft ausgestattet hat, unerforschlich allen ausser Gott”.












Am 1. Juni 2006 um 01:45 Uhr
Liebe Shila, danke dir für diesen Beitrag. Auch wenn die Fastenzeit doch schon längst vorbei ist, sind deine Gedanken dazu doch anregend dafür, darüber nachzudenken was die Fastenzeit eigentlich bedeutet.
Für mich hat sie dieses Jahr mehr Zeit für das Beten bedeutet und auch täglich Zeit für geistige Dinge. Ich war in dieser Zeit mit meiner Frau auf Lehrreise und Familienbesuch in Weissrussland fühlte mich doch sehr inspiriert mit den Freunden dort fasten zu können.
Deine Gedanken zum Fasten eröffnen neue Perspektiven. Danke dir.