Das Haus der Andacht in Deutschland
5. März 2006 | Beitrag eingestellt von Nicola | Bisher 2,005 Aufrufe
Nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase konnte im Jahr 1964 das erste und bisher einzige europäische Haus der Andacht in Hofheim am Taunus eröffnet werden. Der durch Glaseinsätze hell und transparent wirkende Kuppelbau wurde im Jahr 1989 vom Land Hessen zum hessischen Kulturdenkmal erklärt. Er steht, wie die anderen Baha’i-Häuser der Andacht in aller Welt, allen Menschen offen. Einen Klerus gibt es im Baha’itum nicht. Jeder einzelne Gläubige ist aufgerufen, selbstständig nach der Wahrheit zu forschen und an der Verkündigung des Glaubens mitzuwirken. In den Häusern der Andacht wird aus den heiligen Schriften aller Hochreligionen vorgetragen. Religionsstifter wie Moses, Buddha, Christus, Muhammad, Bab und Baha’u’llah werden als Boten Gottes und Verkünder der Wahrheit verehrt. Die Religionen gehen auf einen gemeinsamen Ursprung zurück, beziehen ihre Lehre und Kraft aus einer einzigen Quelle: mag diese nun Gott, Jahwe oder Allah genannt werden. Baha’u’llah, der Stifter des Bahai-Glaubens, beschreibt die Rolle der Religion mit den Worten:
„Der Hauptzweck, der den Glauben Gottes und Seine Religion beseelt, ist, das Wohl des Menschengeschlechts zu sichern, seine Einheit zu fördern und den Geist der Liebe und Verbundenheit unter den Menschen zu pflegen. Lasst sie nicht zur Quelle der Uneinigkeit und der Zweitracht, des Hasses und der Feindschaft werden.“ ´Abdu’l-Baha spitzt diesen Gedanken auf die Formel zu: „Wenn die Religion zur Ursache von Abneigung, Hass und Spaltung wird, so wäre es besser, ohne sie zu sein, und sich von einer solchen Religion zurückzuziehen, wäre ein wahrhaft religiöser Schritt.“ Unterschiede zwischen den Religionen sollten kein Anlass für Feindseligkeit sein, sondern werden den unterschiedlichen Erfordernissen der Zeitalter zugeschrieben, in denen sie verkündet wurden. Folgende Aufforderung Baha’u’llahs zum Dialog und friedlichen Zusammenleben mit Menschen anderer Glaubenszugehörigkeit überrascht daher nicht: „Verkehrt mit den Anhängern aller Religionen im Geiste des Wohlwollens und der Brüderlichkeit.“ So hat nicht nur die Internationalität der Baha’i-Gemeinde, sondern auch ihr Engagement im interreligiösen Dialog eine stark integrierende Wirkung. Für die Baha’i ist der Dialog kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Überwindung von Vorurteilen und religiösem Partikularismus. Die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit oder weltanschaulicher Überzeugung soll zur Verständigung und Versöhnung beitragen.
Häuser der Andacht sind jedoch nicht nur geistige Zentren, die dem Lobpreis Gottes geweiht sind, sondern zugleich Zentren, um die nach und nach soziale Einrichtungen und Bildungseinrichtungen entstehen sollen. Soziales Engagement ist Ausdruck des Dienstes an der Menschheit und eine Art, den Schöpfer zu preisen.











