Print This Post  Kieler Studenten informieren über die Verfolgung der Bahai im Iran

18. Februar 2006 | Beitrag eingestellt von Emanuel | Bisher 2,779 Aufrufe

Studenten der Kieler Universität berichten über die noch immer stattfindende massive Verfolgung von Anhängern des Bahá’í-Glaubens im Iran. Lesen Sie dazu den Artikel aus den Kieler Nachrichten vom 01.02.2006:

Kiel – Studenten recken friedlich Plakate für Demokratie und Freiheit in die Höhe. Polizisten schlagen brachial mit Knüppeln auf sie ein. Viele werden verhaftet, verurteilt und manche im Gefängnis zu Tode gefoltert – Szenen aus dem Dokumentarfilm “Iran Undercover. The Hidden Revolution”.

Mit solchen bedrückenden Bildern leitete die Kieler Hochschulgruppe von “amnesty international” (ai), unterstützt vom AStA, einen Schwerpunktabend zur Situation der Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran ein. Auf dieses Land, in dem die Scharia, das islamische Recht, gilt und die Todesstrafe zahlreich verhängt wird, richtet die ai-Gruppe um Anke Scheid, Vanessa Thiede und Jochen Scheuermann derzeit neben Weißrussland ein besonderes Augenmerk. Verletzungen der Menschenrechte sind im Iran an der Tagesordnung. Wiederholt verurteilten die Vereinten Nationen das Regime.

Nicht sicher vor Verfolgungen sind aber auch die etwa 300.000 Mitglieder der Baha’i, der größten religiösen Minderheit im Lande. “Gerade wieder ist ein Baha’i in einem Gefängnis gestorben. 53 weitere sind inhaftiert, ohne dass die Gründe bekannt sind”, berichtete Dr. Shahad Behjat, eines der acht Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates der Baha’i-Gemeinde in Deutschland. Auch in der Kieler Legienstraße unterhält sie eines der insgesamt 900 Zentren in der Bundesrepublik.

Behjat beklagte, dass seit der Machtübernahme der Mullahs im Jahre 1980 bereits mehr als 200 Anhänger hingerichtet wurden. Neben willkürlichen Verhaftungen sind die Baha’i auch der Beschlagnahme von Eigentum, der Zerstörung ihrer heiligen Stätten sowie unterschiedlichsten Repressalien ausgesetzt. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen und zum Parlament wird Mitgliedern dieser Religionsgruppe, die sich dem Gedanken der Einheit und des Friedens verschrieben hat, verwehrt. “Sie sollen ihren Glauben widerrufen und Moslems werden”, sagte Behjat über die Sichtweise der herrschenden Mullahs.

Prof. Anja Pistor-Hatam, Islam-Wissenschaftlerin an der Kieler Uni, versuchte, die systematische Verfolgung der Baha’i aus dem Selbstverständnis der Islamischen Republik abzuleiten. “Wer vom rechten Glauben abfällt, kann mit dem Tode bestraft werden”, fasste sie ihre Ausführungen zur Apostasie zusammen.

Die Baha’i-Religion entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Persien. Sie geht auf Mirza Ali-Muhammad, genannt “der Bab”, zurück. Der schiitische Muslim aus Shiraz sah sich als neuen Gesandten Gottes an. Baha’u’llah, sein führender Anhänger und späterer Stifter der Baha’i-Religion, erkannte Mohammed nicht wie im Islam als letzten einer Reihe von Propheten an. Er ging davon aus, dass sich Gott immer wieder von neuem den Menschen offenbart. Alle Weltreligionen stammen danach aus derselben göttlichen Quelle.

Schon von Beginn an waren die Baha’i in Persien Verfolgungen ausgesetzt. Der Bab wurde 1850 in Täbris hingerichtet. Baha’u’llah wurde gefangen genommen und nach Bagdad verbannt. Heutzutage trifft die Baha’i-Mitglieder zudem der Vorwurf, “Agenten Israels” zu sein, da sich ihre wichtigsten Heiligtümer auf israelischem Boden, nämlich in Haifa und Akko, befinden.

Die Professorin, die mehrfach den Iran bereist hat, beklagte den Kenntnisstand im Lande, der Folge der systematischen Unterdrückung ist: “Die meisten Menschen wissen über die Baha’i nichts anderes, als dass sie etwas Schlechtes sind.”

Von Torsten Müller

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OnePlanet
— Danke

Eine Reaktion zu “Kieler Studenten informieren über die Verfolgung der Bahai im Iran”

  1. Einblicke

    Beunruhigender UN-Bericht über die Situation der Bahai im Iran…

    Heute musste ich dem Bahai World News Service (BWNS) eine besorgniserregende Nachricht entnehmen: Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit, Asma Jahangir, hat ihre große Besorgnis über Aktionen der iranischen Regieru…

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